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11. Juli 2019

Gestatten: Zichorie…ein Multitalent!

​​​​​​​Rattenwurz, Wegwarte, Hindlauf, Krebskraut, Sonnenwend – die Zichorie hat im Laufe der Zeit so einige Spitznamen erhalten. Und reichlich Titel gesammelt. Zum Bespiel „Gemüse des Jahres 2005“ und „Blume des Jahres 2009“. Im nächsten Jahr kommt ein weiterer Titel hinzu: Die Zichorie ist zur „Heilpflanze des Jahres 2020“ ernannt worden. Und das nicht ohne Grund, denn der krautigen Pflanze wird so einiges an Heilkraft nachgesagt.

Zum Beispiel eine wohltuende Wirkung bei Appetitlosigkeit, Verdauungs- und Magenbeschwerden. Schon Hippokrates soll die Zichorie als Mittel gegen derlei Beschwerden geschätzt haben. Heute weiß man: Im kautschuk-artigen Milchsaft, der die ganze Pflanze durchzieht, steckt reichlich Intybin. Ein Bitterstoff, der Leber, Bauchspeicheldrüse und Galle anregen soll. Zusätzlich steckt in den langen, spindelförmigen Zichorienwurzeln der wasserlösliche Ballaststoff Inulin. Dieser dient den guten Bifido-Darmbakterien als Nahrung und sorgt so für eine gesunde Darmflora. Und die soll ja bekanntlich das Immunsystem stärken.

Zichorie Wurzel

Für Magen, Darm und Co. scheint die Zichorie ein wahrer Wohltäter zu sein. Und auch das Auge kann sich über den Korbblütler freuen. Ganz besonders in der Zeit von Juni bis September: Dann ist Blütezeit! Die himmelblauen Zungenblüten der Zichorie schmücken auch triste Straßenränder, Bahndämme oder Schuttflächen. Denn die robuste Pflanze ist anspruchslos – Hauptsache, ihr Standort ist sonnig und trocken. Die Zichorie öffnet ihre bis zu 5 cm großen Blüten früh morgens,der Sonne entgegen und schließt sie am späten Vormittag. Der schwedische Naturforscher Carl von Linné, dem die Botanik ihre Systematik verdankt, nahm die Zichorie in seine berühmte Blumenuhr im Botanischen Garten von Uppsala auf. Dort, ca. 70 km nordöstlich von Stockholm, öffnen sich die Blüten um 5 Uhr morgens und schließen sich um 10 Uhr vormittags.

Zu Weltruhm kam die Zichorienwurzel allerdings auf anderem Wege: als Kaffeeersatz. In Zeiten des Mangels, zum Beispiel während der napoleonischen Kontinentalsperre Anfang des 19. Jahrhunderts, waren Kaffeebohnen aus Übersee rar. Deswegen griff man auf den Alleskönner Zichorie zurück. Beim Röstvorgang entwickeln die Wurzeln nämlich dunkle, leicht karamellige Geschmacksnoten. Gemahlen und mit heißem Wasser aufgegossen ergeben sie ein Getränk, das in Geschmack und Farbe Kaffee ähnelt. In Deutschland ist die koffeinfreie Alternative auch bekannt als Muckefuck. Der kurios klingende Spitzname stammt aus dem Rheinland und ist eine Zusammensetzung aus Mucke(n) „braune Stauberde“ und fuck „faul“. Eine nicht besonders schmeichelhafte Bezeichnung. Wir finden Muckefuck weder staubig, noch faul. Deswegen nennen wir unsere fein malzige Variante – verfeinert mit Roggen, Malz, Gerste und Feigen – lieber Country Kaffee.

Zichorie

Die dunklen Geschmacksnoten der gerösteten Wurzel veredeln übrigens auch einige unserer Tees. Den kraftvollen Kräutertee Linde & Lagerfeuer oder unsere Gewürztees Typisch Chai, Kaffee Chai und Schoko Chai zum Beispiel.

Doch nicht nur in der Tasse und am Wegesrand, auch auf dem Teller ist die Zichorie gefragt. Ihre Vorzüge als Gemüse wurden im 18. Jahrhundert entdeckt. Durch puren Zufall. Der Erzählung nach lagerten belgische Bauern die Zichorienwurzeln über den Herbst im Dunkeln. Im Winter fanden sie dann die austreibenden Schösslinge vor. Nach einem Geschmackstest war schnell klar: angenehm bitter! Die daraus entstandenen Kulturformen sind heute als Radicchio und Chicorée bekannt. Ob gebraten, als Salat oder im Auflauf – diese Salatzichorien verleihen Gemüsegerichten einen angenehm herben Geschmack. Eine weitere Verwandte ist die Endivie, entweder glatt (Eskariol) oder kraus (Frisée). Herrlich zum Beispiel im Insalata Primavera.

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