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Weltreise

Mit 40 Partnern um die Welt. Von Diepholz Richtung Sonnenaufgang. Wie schmeckt die Welt? An jedem Ort ein wenig anders. Begleiten Sie uns auf eine Reise zu würzigen Kräutern, edlen Tees, aromatischen Kaffeebohnen, erlesenen Gewürzen, zu unseren Partnern vor Ort und interessanten Projekten, die wir langfristig unterstützen.

Reise um die Welt – Wir starten in Diepholz

Einwohner: Stadt: 16.600, Landkreis: 220.000

Sprache: Hochdeutsch, Plattdeutsch

Berühmt für: Diepholzer Gans und Diepholzer Moorschmucke

Und Lebensbaum? Hat hier seinen Ursprung und bis heute seinen Standort

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Lebensbaum ist fest in Diepholz verwurzelt. Vor gut 30 Jahren begann hier die Geschichte des Unternehmens – hier wollen wir auch unsere Lebensbaum Weltreise beginnen.

Diepholz ist ein kleines Städtchen auf halber Strecke zwischen Osnabrück und Bremen. Die Stadt hat ihr besonderes, norddeutsches Flair und, so wie die Menschen hier, einen freundlich-unaufdringlichen Charme.

Im historischen Stadtkern von Diepholz reihen sich die niedrigen Fachwerkhäuser dicht aneinander und geben der Innenstadt einen heimeligen Anstrich. Schmale Flüsschen und Kanäle durchziehen den Ort. Und mittendrin das Diepholzer Schloss. Sein 43 Meter hoher Wehrturm ist seit 1.000 Jahren das alles überragende Bauwerk und noch heute Wahrzeichen unserer beschaulichen Heimat. Hier findet sich das kleine Geschichtsmuseum der Stadt. Kinder gucken beeindruckt durch die Kerkertür im Erdgeschoss des kalten Gemäuers. Hier sitzt ein zerzauster Pappmaschee-Geselle seine gerechte Strafe ab. Ob er in das vor der Stadt gelegene Rittergut Falkenhardt eingebrochen ist?


Der Name Diepholz geht übrigens auf die Bezeichnung der ersten Siedlung zurück, die Div Brock hieß. Das bedeutet so viel wie „schwankendes Bruch“ und weist auf die von vielen Mooren durchzogene Landschaft hin. Sie prägte gemeinsam mit der wechselvollen Geschichte des Torfabbaus über Jahrhunderte das Leben der Menschen hier. Davon übrig geblieben ist nur der sehenswerte Moorerlebnispfad. Er führt durch Teile eines einzigartigen, insgesamt 125.000 Hektar großen Stücks Natur, das heute als wichtiges Rückzugsgebiet für seltene Tiere dient. Außerdem rasten hier und rund um den nahen See Dümmer, das zweitgrößte Binnengewässer Niedersachsens, riesige Zugvogelschwärme – darunter die beeindruckenden Wildgänse und tausende von majestätischen Kranichen.

Ein kulinarisches Erbe des Moores sind die Diepholzer Gans und die Diepholzer Moorschnucke. Beide Haustierarten sind inzwischen selten geworden. Beide zeichnen sich durch ihr robustes Wesen und ihre Genügsamkeit aus, die sie dem eintönigen Futter und dem rauen Klima verdanken. Sie wachsen langsamer als die Tiere anderer Rassen. Ihr Fleisch hat dadurch jedoch eine ungeheure Geschmacksintensität. Gourmets aus nah und fern lieben sie dafür.

Doch Diepholz kann nicht nur leise und gemütlich, sondern auch laut und ausgelassen sein. Zum Beispiel beim jährlich stattfindenden 2-tägigen Appletree Garden Festival. 2010 feierten rund 3.000 Fans bis zum Umfallen zur Musik von 16 Bands. Von wegen, wir Norddeutschen hätten kein Temperament! Wer das Festival kennt, weiß, dass das nicht stimmen kann.

Eine ganz andere Kombination von Beschaulichkeit und Temperament findet man in den türkischen Bergen zwischen Izmir und Antalya. Aus dieser sonnenverwöhnten Gegend bezieht Lebensbaum aromatische Kräuter und den einzigartigen Bergtee – von hier werden wir das nächste Mal berichten.

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Türkei

Einwohner: 76 Mio.

Sprache: Türkisch (Amtssprache), außerdem u. a. Kurdisch, Arabisch, Armenisch, Griechisch

Typische Namen: Ahmet, Murat, Sibel, Ayse

Und Lebensbaum? Bezieht von hier Bergtee sowie feinste Mittelmeer-Kräuter

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Unsere Weltreise haben wir im beschaulichen Diepholz, dem Standort von Lebensbaum, begonnen. Heute machen wir Station in einem quirligen Land, das gleich auf zwei Kontinenten beheimatet ist und sie miteinander verbindet: die Türkei.

Die Türkei ist ein Land voller Kontraste. Schon die Landschaft könnte unterschiedlicher kaum sein: von Steppe im Osten bis hin zum üppigen Grün an der Schwarzmeerküste. Die Flora ist die artenreichste im ganzen Nahen Osten. Eingerahmt von drei Meeren ist das Land außerdem mit wunderbaren Küstenstreifen gesegnet. Diese waren schon für antike Völker wie Griechen und Römer attraktiv. Die Städte Ephesus, Pergamon oder Troja sind Zeugen der frühen Besiedelung. Deren Baukunst beeindruckt noch heute jeden Besucher. Sie lassen sich aber gern auch von der einheimischen Küche faszinieren, die weit mehr als nur Döner zu bieten hat. Kenner zählen sie zu den abwechslungsreichsten und schmackhaftesten der Welt. Dabei sind es die vielen Zutaten, die in der Türkei gedeihen und die Küche so bunt machen. Je nach Gegend werden Tee, Haselnüsse, Oliven, Gemüse, Kräuter oder Zitrusfrüchte angebaut. Lebensbaum bezieht aus dem sonnenverwöhnten Süden verschiedene mediterrane Kräuter, darunter Lorbeer, Salbei, Oregano und Thymian. Hinzu kommt eine echte Spezialität: der türkische Bergtee. Diese Pflanze ist in den nördlichen Mittelmeer-Ländern heimisch. Doch von den insgesamt rund 100 Arten wächst knapp die Hälfte in den gebirgigen Regionen der Türkei.

In einem kleinen, abgelegenen Tal baut unser Erzeuger seinen Bergtee nach allen Regeln des Öko-Landbaus und mit viel Sorgfalt und Sachverstand an. Dafür verzichtet er auf Wildsammlungen, die – so sagt er – normalerweise eine weniger kontinuierliche Qualität liefern. Der Anbau der mehrjährigen Pflanzen ist jedoch aufwändig, denn alle anfallenden Arbeiten sind Handarbeiten: das Entfernen des Unkrauts, das Schneiden der Pflanzen und natürlich auch die Ernte. Diese findet traditionell während der Blütezeit statt. Dabei werden die Blütenrispen von Hand gepflückt und anschließend vorsichtig getrocknet. Dann wird das zerbrechliche Gut geschnitten, sehr vorsichtig verpackt und auf die Reise nach Diepholz geschickt. Und der Aufwand lohnt sich, sagen die Bergtee-Fans. Lebensbaum Bergtee ist besonders intensiv aromatisch im Geschmack. Seine herbe Note bildet einen angenehmen Kontrapunkt zur Süße von Honig oder Zucker, die einfach hineingehören in einen türkischen Tee.

Der Bio-Anbau blickt in der Türkei auf eine lange Tradition zurück. Bereits in den 1980er Jahren gab es hier die ersten Projekte. Inzwischen arbeiten rund 15.000 Bauern nach den Prinzipien des ökologischen Landbaus im Land am Bosporus. Diese Art der extensiven Landwirtschaft passt besonders gut in die kargen, benachteiligten Regionen, die unter häufigem Wassermangel leiden. Ganze Dörfer schließen sich inzwischen zusammen, um auf Öko-Landbau umzustellen, denn das bedeutet eine neue Perspektive für ihr Leben. Lebensbaum unterstützt seine Erzeuger bei ihren Entwicklungsplänen.

Das Licht kommt aus dem Osten, heißt es in einem alten Sprichwort. Und während bei uns die Tage schon wieder kürzer werden, folgen wir dem Licht Richtung Indien. Der facettenreiche Subkontinent reicht von den Höhen des Himalayas im Norden bis zu den fischnetzbestückten Stränden Keralas im Süden. In der nächsten Ausgabe berichten wir aus der Heimat berühmter Schwarztees, aromatischer Gewürze und heiliger Kühe. Namaste India! 

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Kerala, Indien

Einwohner: 32 Mio.

Sprache: Tamil, Malayalam, Kannada, Telegu, Englisch, Hindi, …

Typische Namen: Aditiya, Chandu, Gulsan

Und Lebensbaum? Bekommt von hier u. a. weißen, grünen und schwarzen Pfeffer sowie Ingwer und Kurkuma.

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Ex oriente lux: Das Licht kommt aus dem Osten, heißt es in einem alten lateinischen Sprichwort. Das Licht soll unser Kompass sein. Wir haben die Türkei verlassen und ein Schiff Richtung Südindien bestiegen.

Nach zehn Tagen Wasser unterm Kiel erreichen wir frühmorgens die Küste Keralas. Erschöpft lassen wir uns in den kühlen Sand fallen. Leise schlagen die Wellen gegen die Rümpfe der halb an Land gezogenen Fischerboote. Hinter uns geht die Sonne auf und klettert durch das dichte Grün der Backwaters, einem mit dem Meer verbundenen, weit verzweigten Netz aus Lagunen, Seen und Kanälen. Mango, Papaya und Pfeffer wärmen sich in dem frühen Licht. Doch die Sonne steigt höher, bis der Morgendunst auch aus den entlegensten Tälern des bergigen Hinterlandes vertrieben ist. Von hier bekommt Lebensbaum Pfeffer, Ingwer und Kurkuma. Die Gewürze werden von Kleinbauern nach traditionellen Methoden angebaut. Das bedeutet geringere Erntemengen, aber die Qualität sucht ihresgleichen. Auch dank der Fülle dieser hochwertigen Zutaten gilt die Küche Keralas als legendär.

Gerne sind wir der Einladung des Gewürzbauern Ashok Kumar zum Essen gefolgt. Und während seine Frau Chameli in der engen Küche mit Tontöpfen und Gewürzen zu wirbeln beginnt, folgen wir Ashok in den Gewürzgarten. Vor einem Baum bleibt er stehen und zeigt auf Pfeffer, der am Stamm emporrankt. „Ich pflücke die Pfefferkörner von Hand, dafür muss ich hoch in die Bäume“, erklärt uns Ashok. Das nasse Hemd klebt an dem wendigen Körper des Gewürzbauern. Der Südwestmonsum hat seine letzten Regenschauer in die würzigen Hügel geschickt. Wir spazieren an dampfenden Komposthügeln vorbei, Kokospalmen breiten ihre schützenden Arme aus. Auf den ersten Blick wachsen Kardamom, Zimt und Kurkuma willkürlich über- und nebeneinander. Doch der Zufall hat hier einen Plan und der heißt Mischkultur. Für Kleinbauern wie Ashok Kumar bietet dieser Mischkulturenanbau viele Vorteile: Sein Land bleibt fruchtbar und er ist von den Nachfrage- und Preisschwankungen vereinzelter Produkte unabhängig. Dass er für Bioqualität gute Preise erzielt – umso besser. Ashok führt uns ins Haus zurück. Dort duftet es köstlich nach Gewürzen. Auf dem Tisch liegen große Bananenblätter, darauf verschiedene bunte Kleckse, Reis und dünne Teigfladen. Unsicher suchen wir den Tisch nach Besteck ab. Ashok nickt aufmunternd, als wollte er sagen: Traut euch, ihr seid in Kerala, hier wird mit den Händen gegessen.

Der erste Bissen Curry treibt uns den Schweiß auf die Stirn. Scharf. Aber gut. Und während uns Frau Kumars keralische Köstlichkeiten in die Geheimnisse der indischen Küche einführen, erzählt Ashok uns von seinem Land. Wir sprechen über die Menschen in Kerala und erfahren, dass seit Jahrhunderten Hindus, Muslime und Christen weitgehend friedlich miteinander leben. Unser Gastgeber vermutet, dass die Tradition des Gewürzhandels den Gedanken der Toleranz tief im Bewusstsein der Keraliten verankert hat. Ashok ist ein guter Erzähler und plötzlich ist es Nacht geworden. Ein schwacher Wind weht. Lächelnd steht der Gewürzbauer in der Haustür und verabschiedet uns mit den Worten: „Kollam kandal illam venda.“ – wer nach Kerala kommt, wird seine Heimat schnell hinter sich lassen. Recht hat er. Herbststürme, Kälte und Dunkelheit? Vielleicht, aber weit weg in Europa.

Wir müssen weiter in den Norden. Ca. 3000 km Reise liegen vor uns, bis wir an den Ausläufern des Himalaya Darjeeling erreichen. In den legendären Teegärten wird der feinste Schwarztee der Welt gepflückt. 

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Sri Lanka

Einwohner: ca. 21 Mio.

Sprache: Sinhala, Tamil und Englisch

Typische Namen: Rajiv, Silida, Dayani, Gayesha

Und Lebensbaum? Bekommt von hier Pfeffer, Gewürznelken, Ceylon-Zimt, Zimtstangen und Muskatnüsse.

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Wir wagen – geographisch gesehenen – den Katzensprung von Südindien nach Sri Lanka. Schon der Name der Insel weckt große Erwartungen: Lanka bedeutet „strahlend schön“ – ob’s stimmt?

Unser Schiff schaukelt in den Hafen von Sri Lankas Hauptstadt Colombo. Das Wetter ist herrlich. Eigentlich wollten wir jetzt im nordindischen Darjeeling sein, doch ein zufälliges Zusammentreffen mit Dr. Sarath Ranaweera von Bio Foods, unserem sri-lankischen Partner für Tee und Gewürze, hat uns umdisponieren lassen. In Deutschland hat Zimt jetzt Hochkonjunktur, da wollen wir das Land bereisen, aus dem er kommt.

Von Colombo geht es nach Kandy im bergigen Herzen der Insel, 500 Meter über dem Meeresspiegel. Wir sind auf Abenteuer aus und nehmen den Bus. Nur langsam geht es voran, dicht ist das Gedrängel von Menschen und Gefährten – Fahrräder, Motorradrikschas, Autos und LKWs.

Wer hier Vorfahrt hat, das bestimmt die Anzahl der PS – eine Regel, die funktioniert, denn trotz des dichten Verkehrs gibt es kaum Unfälle. Als wir Colombo verlassen, öffnet sich eine saftig grüne Ebene, die bald zum Gebirge ansteigt. Die hohen Berge dominieren die Insel und wechseln sich mit üppig bewachsenen Hochebenen ab, die von unzähligen Flüssen und Wasserfällen durchzogen sind. Eine atemberaubend schöne Landschaft.

In Kandy angekommen, sehen wir uns die Stadt an: Von hier regierte der König des letzten Königreichs von Sri Lanka, bis die Briten es 1815 einnahmen. Und im Tempel Sri Dalada Maligawa, Ziel buddhistischer Pilger, wird ein Zahn Buddhas aufbewahrt.

Für das große Spektakel, das im August stattfindet, sind wir leider zu spät. Dann wird der Zahn während einer feierlichen Prozession, an der nicht nur viele Gläubige, sondern auch Hunderte Elefanten teilnehmen, durch die Stadt getragen.

Schade, wir nehmen uns vor, dafür unbedingt wiederzukommen. Vor den Toren des Tempels nimmt uns Sarath herzlich in Empfang. „Ayubowan!“ – „Mögest du lange leben!“ wünscht er uns mit der traditionellen Grußformel. Seit 1997 betreibt er seine Firma, für die er Rohwaren von vielen verschiedenen Kleinbauern bekommt. Sie erzeugen eine Vielzahl an Produkten. Manche sind für den Export gedacht, viele aber auch für die eigene Versorgung. Mit Sarath machen wir uns auf den Weg, um einen der Landwirte zu besuchen. Amal heißt er und produziert schon seit langem für Bio Foods. Bei Amal angekommen, werden wir direkt nach der Begrüßung in das kleine, versteckt liegende Haus geschoben. Bevor wir sein Zimtwäldchen besichtigen können, bekommen wir ein für die Region um Kandy typisches Gericht aus junger Jackfruit mit vielen Gewürzen serviert – ungewöhnlich, aber gut. Dann geht es hinaus. Doch wo wächst er denn nun, der Zimt? Wir stehen schon mittendrin. Irgendwie haben wir uns die Zimtbäume zimtiger vorgestellt. Sie sehen aus wie ganz normale Bäume, so um die zwei Meter hoch. Sie riechen nicht mal nach Zimt. Ja, das kommt daher, erklärt uns Amal, dass für den Zimt noch eine Menge getan werden muss: Erst werden rund einen Meter lange Äste geschnitten und die äußere, korkige Rinde abgeschabt. Dann wird die innere Rinde längs eingeschnitten und in einem Stück vom Ast gelöst. Die langen Rindenstangen werden getrocknet und zu mehreren ineinandergeschoben. Erst wenn alles fertig getrocknet ist, werden die Zimtstangen in die handlichen Stücke geschnitten, die wir kennen. Und erst dann riechen sie auch so richtig lecker.

Doch hier wächst mehr, als der erste Blick erkennen lässt: Die großen weit ausladenden Bäume sind Nelkenbäume, von denen die kleinen Gewürznelken mit der Hand gepflückt werden. Pfeffer schlängelt sich an Bäumen gen Himmel und Ingwer wächst mit Kardamom und Kurkuma um die Wette. Mittendrin steht Amal und erzählt uns leidenschaftlich von seinen Gewürzen.

Wir sind überwältigt von der wilden, grünen Schönheit dieses Fleckchens Erde, aber auch davon, wie viel Arbeit in den Gewürzen steckt. Beim nächsten Zimtstern werden wir mit viel Freude und Anerkennung an Amal zurückdenken.

Zurück in Kandy sitzen wir mit Sarath bei einer Tasse Ceylon-Tee auf dem Balkon und genießen einen letzten Blick auf die Berggipfel.

Bald schon geht es für uns weiter und noch höher hinauf, denn unsere nächste Station wird die Darjeeling-Region in Indien sein. Dort, am Fuße des Himalaya, werden wir bis hinauf auf 2.100 Meter kommen. In diesen Höhenlagen wächst der unvergleichliche Darjeeling-Tee heran. Und Panther soll es dort auch noch geben. 

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Darjeeling, Indien

Einwohner: 1,6 Mio. (West Bengal gesamt 91 Mio.)

Sprache: Hindi, Bengali, Nepali, Gorkha, Tibetisch, Englisch

Typische Namen: Baha, Lagan, Talib, Jagathi, Padma

Und Lebensbaum? Bezieht Darjeeling Schwarz- und Grüntees aus den Ambootia Teegärten

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Wir haben das volle Abenteuer Indien gewagt. Rund 2.000 Kilometer Bahn und Busfahrt liegen hinter uns: von Sri Lanka zurück in Indiens warmen Süden und dann an der atemberaubenden Ostküste entlang bis ins trubelige Kolkata (Kalkutta). Von dort geht es Richtung Himalaya. Das gigantische Gebirge immer im Blick können wir unser Ziel gar nicht verfehlen. 

Darjeeling – der Name klingt wie Musik in den Ohren jedes Teekenners. Hier befindet sich die Wiege der legendärsten Tees der Welt. Sie haben die abgelegene Gegend am Fuße des Himalaya – eingeklemmt zwischen Bhutan und Nepal – weltberühmt gemacht. Wir wollen dort die Teegärten der Ambootia Tea Group besuchen, von der Lebensbaum seit 1997 exzellente Darjeeling-Tees bekommt.

Der Weg hinauf in diesen zerklüfteten Teil Indiens ist beschwerlich. Die letzten Meilen legen wir im Jeep-Taxi zurück. Das Gefährt kämpft sich tapfer die steilen Straßen hinauf und holpert von Schlagloch zu Schlagloch. Draußen wechseln sich Wälder, Felder, Ortschaften und die ersten Teebüsche ab. Neben der Straße verlaufen die Schienen der Darjeeling Himalayan Railway. Die kleine Bergbahn, Weltkulturerbe und im Volksmund Toy Train genannt, überwindet auf nur 86 km einen Höhenunterschied von 2.000 Metern. Sie brachte ab 1881 britische Kolonialherren von der heißen Küste zur Erholung in kühle Bergstädtchen. Die Engländer waren es auch, die den Darjeeling District wenige Jahrzehnte zuvor als Ort der Regeneration, aber auch als idealen Flecken für den Teeanbau entdeckt hatten. Der gedieh durch die Höhenlage und die relativ kühle Witterung zwar langsam, entwickelte jedoch sein legendäres Aroma: elegant, leicht, blumig. Bald transportierte der Toytrain nicht nur erschöpfte Briten den Berg hinauf, sondern auch den Tee den Berg hinunter in die Handelsmetropolen, von wo aus er die Welt eroberte.

Nach zwei Stunden Fahrt begrüßt uns Sanjay Bansal an der großen Pforte von Ambootia. 1851 gegründet gehört der Teegarten, nach dem die Tea Group benannt wurde, zu den ältesten im Darjeeling District. Seit 1994 wird er von Bansal nach Demeter-Richtlinien bewirtschaftet und hat es so aus schweren ökologischen und wirtschaftlichen Krisen geschafft. Wir schlendern durch eine Landschaft, die aussieht wie gemalt. Hüfthohe Teebüsche wechseln sich mit riesigen Schattenbäumen ab. Dazwischen Teepflückerinnen, für die Mitte Februar die Saison langsam beginnt. In Gruppen pflücken sie gekonnt und flink die Blattknospen samt den obersten beiden Blättern und werfen sie über die Schulter in Körbe auf ihrem Rücken. Dabei wird geplaudert und gelacht.

Ambootia ist schön, doch uns zieht es weiter. Zunächst nach Nordwesten in den Teegarten Nagri. Hier wächst Tee auf einer Höhe von 1.800 m zwischen Orchideen, süßen Orangenbäumen und Ingwer.

Von Nagri geht es Richtung Tiger Hill. Wir halten in Moondakotee. Heiliger Platz des Mondes heißt dieser Teegarten, in dem seit 1852 Tee kultiviert wird. Heute wie in allen Ambootia Teegärten natürlich Bio. Hier heißt es früh aufstehen für ein wunderbares Naturschauspiel: Die Sonne geht über dem höchsten Berg Indiens, dem Kangchenjunga, auf. Die schneebedeckten Weiten werden in kräftiges Orange getaucht. Selbst die Spitze des Mount Everest ist heute sichtbar.

Den majestätischen Anblick noch im Gemüt fahren wir höher hinauf, nach Happy Valley, dem zweithöchsten Teegarten im Darjeeling. Hier wächst auf 2.100 Metern allerfeinster Tee. Tee haben wir in jedem der Gärten probieren dürfen hier schmeckt er uns besonders gut. Die erhofften Panther haben wir leider nicht gesehen auf unseren Streifzügen, nur ein paar Tatzenspuren erinnern an ihre Existenz.

„Das Reisen führt uns zu uns zurück“, hat Albert Camus einmal gesagt. Wir haben Sehnsucht nach Freunden, Familie, Heimat und nehmen ihn wörtlich: Zu Ostern geht es nach Deutschland zurück. Kleine Reisepause. Wäsche waschen und Koffer neu packen, bevor wir uns aufmachen in die Heimat von Camus’ Vorfahren – Südfrankreich. Kräuter der Provence, wir kommen! 

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Provence, Frankreich

Einwohner: 4,8 Mio.

Sprache: Französisch, Provençal

Typische Namen: Guste, Jórgi, Gabrieloun, Zouè, Françoun, Delfino

Und Lebensbaum? Bezieht Kräuter der Provence und Lavendelblüten aus der Region

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Die Luft sei in Marseille „im Großen und Ganzen ein wenig schurkisch“, weiß Madame de Sévigné vor 300 Jahren zu berichten. Sie wird ihre Gründe gehabt haben. Wir allerdings können nicht klagen.

Mit Café Crème sitzen wir beim „Boxer“ – früher hat er tatsächlich geboxt, heute gehört ihm das Café „Le Petit Nice“, eine Institution im Quartier La Plaine, dem Künstler- und Studentenviertel Marseilles. An einem der wackeligen Bistrotische treffen wir Ulrich Wentzler. Die Madame hätte uns vor dem Aussteiger gewiss gewarnt, sich aber getäuscht. Seit Anfang der 1980er beliefert er Lebensbaum mit phantastischen Kräutern der Provence. In den Anfangsjahren hat Ulrich Walter die Familie in den Volvo gepackt und Wentzler im Sommer besucht. Dann haben sie Kräuter mit der Sichel geschnitten, um zu verstehen, wie viel Arbeit und Sorgfalt dahintersteckt. Das Geheimnis der Kräuter der Provence muss man sich erarbeiten, sagt Wentzler. Wir nehmen ihn beim Wort und wollen in den nächsten Wochen zur Sichel greifen.

Wentzlers kastiger Citroën soll uns aufs Land bringen. Der Fußraum seines „Wald- und Wiesenautos“ gibt einen Vorgeschmack: überall Erde, Pflanzen, dazwischen wir. In Marseilles engen Gassen hilft kein Navigationssystem und kein Klagen. Man braucht eine Hupe, keine StVO, dafür aber Reaktion und Augenmaß. Wentzler hat beides und plötzlich spuckt uns die Stadt wieder aus. „Das Blau des Himmels wurde lichter, der Boden trockener, der Geruch des Farns ertrank im Duft des Lavendels, die Erde nahm glühende Farben an: Ocker, Rot, Violett. Die ersten Zypressen tauchten auf, die ersten Ölbäume …“. So erinnert sich Simone de Beauvoir an die Provence in den 1930ern und so zieht sie jetzt am geöffneten Autofenster vorbei.

Provence: Deine Schönheit hat dir lange nicht viel genützt. Du warst bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts touristisches Niemandsland und zähltest zu den ärmsten Regionen Europas. Aber dein buntes Völkchen war schon immer widerspenstig: ganz egal ob Cäsaren, Kaiser, Päpste oder Paris, den Herrschenden wurde reingeredet und misstraut. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Auf kleinen Marktplätzen werden die wichtigen Dinge besprochen; die unwichtigen auch.

Auf dem Wochenmarkt von Uzès kauft Ulrich Wentzler noch schnell für die Mittagspause ein. Ein Mann mit Hut und Pudel auf dem Schoß bietet beiläufig Eier, Artischocken und Obst an. Wentzler sucht Melonen aus, kleine, honigsüße Kugeln.

Dann geht es raus auf die Felder. Umständlich halten wir die höllisch scharfen Sicheln möglichst weit von uns. „Das Setzen der Sichel ist die erste Geste“, erklärt Wentzler und umgreift mit ihr ein Büschel Thymian. Mit der anderen Hand packt er die Pflanzen am Schopf und zieht sie geschickt über die Sichel. Wir machen es ihm nach und schneiden nicht zu tief, so dass Augen und Äste bleiben und die Kräuter weiter gut gedeihen können.

Ulrich Wentzler verrät, dass es auf den ätherischen Ölgehalt der Provence-Kräuter ankommt. Durch das Zusammenspiel von Frühlingsregen, dann folgender Sommerhitze und kalkhaltigen Böden steigt die Konzentration der ätherischen Öle. In der durchlässigen Erde wurzeln die Pflanzen tief und vertrocknen daher nicht in der gleißenden Sonne.

Eine mächtige Hitze liegt über den Feldern. Der Rücken schmerzt. Pause machen wir an einem Olivenbaum. Und Wentzler packt aus: Wasserflaschen noch halb gefroren, dunkles Baguette, in Kastanienblätter eingelegten Schafskäse, schwarze Oliven, Sardellen, in Asche gewälzte Eselswürste, kandierte Früchte aus Apt.

Matt liegen wir im Gras. Nur Licht, kaum Wind, kein Schatten. Der würzige Duft der Hügel erfüllt die Luft. Thymian und Lavendel mischen sich mit dem Geruch von Rosmarin.

Nach getaner Arbeit übernachten wir auf Wentzlers Hof in der Haute-Provence. Jeden Abend führt der Weg dahin durch eine karge, ernste Landschaft. Durch die geöffneten Fenster weht Lavendelgeruch. Der feste Rhythmus aus Arbeit, gutem Essen und tiefem Schlaf lässt die Wochen viel zu schnell verstreichen.

Wir müssen weiter: Im Herbst wollen wir in Kanada sein und fliegen nach Montreal. Dem Französischen bleiben wir vorerst treu und freuen uns auf rote Beeren, bunte Bäume und wilde Bären. 

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Québec, Kanada

Einwohner: ca. 8 Mio.

Sprache: Französisch (Amtssprache), Englisch

Typische Namen: Noémie, Amélie, Océane, Fridolé, Manfred, Thibeau, Aristide, Hervé

Und Lebensbaum? Bezieht von hier leuchtend rote Cranberrys.

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Nach einem Zehn-Stunden-Flug über den Atlantik erreichen wir das größte Dorf der Welt: Kanada. Dieses Wort der Irokesen für „Siedlung“ schnappte der Entdecker Jacques Cartier 1535 am Sankt-Lorenz-Strom auf – und taufte damit das ganze Land. In der Provinz Québec beginnt unsere Reise auf den Spuren von süßem Gold, schwarzen Bären und roten Beeren.

In Montréal geht’s los. Die facettenreiche Provinzhauptstadt liegt auf der Île de Montréal zwischen dem Fluss Ottawa und dem Sankt-Lorenz-Strom. Die mitreißende Dynamik der Stadt ist geprägt von spannenden kulturellen Gegensätzen. Hier trifft die Alte Welt auf die Neue, die europäische auf die nordamerikanische. Québec ist die größte Provinz Kanadas – und die französischste: Über 80 Prozent der Einwohner geben die Sprache der alten Kolonialmacht als Muttersprache an. Zwar konnten wir unseren Wortschatz in der Provence auffrischen. Aber Französisch ist nicht gleich Französisch und wir sind froh, dass uns ein waschechter Québécois begleitet: Wir treffen Bâtiste, um uns mit ihm auf den Weg in die Wildnis zu machen. Wie wild es hier tatsächlich werden kann, lässt uns Bâtistes Ausrüstung erahnen: Beim Verstauen des Gepäcks auf der Ladefläche seines Pick-ups sehen wir ein Gewehr auf der Rückbank blitzen. „Nur zur Sicherheit“, beruhigt uns der bärtige Kanadier.

Wir folgen dem Chemin du Roy, der Königsstraße am Nordufer des Sankt-Lorenz- Stroms. Sie führt uns durch Dörfer, deren französische Wurzeln nicht zu übersehen sind. Liebevoll gepflegte Steinhäuser erzählen Geschichten aus den letzten 300 Jahren. Bei Trois-Rivières überqueren wir den Strom, der den Sonnenschein zum Abschied funkelnd zurückwirft.

Schon bald bestimmen tiefrote Felder die Landschaft. Wir sind im Centre-du-Québec, dem Herzen der Anbauregion für Cranberrys. Der saure Torfboden, der sonst wenig gedeihen lässt, gibt den Sträuchern alles, was sie brauchen.

Gerade rechtzeitig treffen wir im kleinen Örtchen Villeroy ein: Die Cranberry-Ernte beginnt. Sie ist ein wahrer Touristenmagnet. Kein Wunder, denn nicht jede Frucht schwimmt dem Bauern so einfach in den Sammelkorb: Um die Beeren von den niedrigen Sträuchern zu pflücken, werden die Felder gut 20 Zentimeter hoch unter Wasser gesetzt. Dann lösen spezielle Drescher die Cranberrys von den Zweigen. 

Vier kleine Luftkammern bewirken dabei, dass die reifen und saftigen Früchte unversehrt aufsteigen – ein sicheres Qualitätsmerkmal. Nun können Feldarbeiter die Oberfläche der leuchtenden Cranberry-Seen abschöpfen. Das Wasser wird in ein geschlossenes System zurückgeführt und zur nächsten Flutung in Reservoirs gespeichert.

Nicht nur die Ernte selbst zieht Besucher an: Das jährliche Erntefest, das Festival de la Canneberge, feiert die Beere in ihrer ganzen Vielfalt. Wir nutzen die Gelegenheit, traditionelle Gerichte wie Zitronenbrot mit Cranberrys zu probieren. Und natürlich darf bei den säuerlichen Beeren der allgegenwärtige Ahornsirup – das süße Gold Kanadas – nicht fehlen. Hm, lecker!

Zum Ende unserer Reise kommen wir sogar unserem Wunsch, einen der 70.000 Schwarzbären der Region zu sehen, ein Stück näher: Bâtiste nimmt uns mit in die wilde Wildnis. Das Gewehr geschultert, führt er uns durch das herbstliche Farbenspiel des Indian Summers. Im Nationalpark La Mauricie säumen flammende Rot- und leuchtende Gelbtöne unseren Wanderpfad. Das Unterholz knackt. Endlich, ein Bär!? Nein, eine Elchfamilie kreuzt unseren Weg und schreitet unbeeindruckt davon.

Durch die Luft hallt der Ruf der Schneegänse. Nicht weit von uns legen viele tausende von ihnen einen Zwischenstopp auf ihrer Reise ins Winterquartier ein. Aber der Aufbruch naht. Wie sie zieht es auch uns in wärmere Gefilde. Unser gemeinsames Flugziel: Mexiko. 

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Chiapas, Mexico

Einwohner: 4,7 Mio. (115 Mio. Mexiko insgesamt)

Sprache: Spanisch, indigene Sprachen, u. a. Tzotzil, Tzeltal, Chol, Zoque

Typische Namen: Dolores, Franzisco, José, Maria, Alejandro, Marta. Indigene Namen: Yax (Blau), Yixmal (Mais), Nasacopac (Welt)

Und Lebensbaum? Bekommt von hier Kaffee und Kardamom

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Wie die kanadischen Schneegänse haben wir Kurs Richtung Mexiko genommen. Während sich die Vögel an der Golfküste niederlassen, fliegen wir in die Hauptstadt. Von dort geht es weiter zum südlichsten Bundesstaat Mexikos: Chiapas – Heimat der Maya sowie ambitionierter Bio-Kaffeebauern.

Das pittoreske Städtchen San Cristobal de las Casas – kurz San Cristobal – im Herzen von Chiapas empfängt uns mit schönstem Sonnenschein. Kleine bunte Häuser säumen die schachbrettartig angelegten, gepflasterten Straßen. Um die freundlich wirkende Stadt ziehen sich bewaldete Hügel. San Cristobal gilt als das kulturelle Zentrum der Region. Hier, unweit der weltberühmten Pyramidenstadt Palenque, ist die prähispanische Zeit so lebendig wie sonst fast nirgends. Palenque dokumentiert die architektonischen Künste der Maya, ihre Hochkultur.

Stolz sind die Mexikaner auf diesen Teil ihrer bewegten Vergangenheit. Den Maya-Nachfahren, die wir hier in großer Zahl antreffen, wird diese Anerkennung oft verwehrt. Die kleinen Menschen mit den charakteristischen Gesichtszügen sind vielen Mexikanern aus dem Norden fremd. Vielleicht auch, weil sie sich untereinander immer noch in den Sprachen ihrer Vorväter unterhalten und ihr Glauben eine ganz eigene Mischung aus Katholizismus und Urreligion ist.

Die Frauen in ihren Trachten, meist mit einem Baby im Tragetuch, laufen barfuß durch die Straßen und verkaufen dort ihre Knüpfarbeiten. Ein notwendiges Zubrot für die Indígenas-Familien, die lange unter einer Politik leiden mussten, die sie sträflich vernachlässigte. Umso wichtiger ist in dieser Gegend der Bio-Anbau von Kaffee, den wir uns am nächsten Tag ansehen.

Ein Fahrer holt uns am Morgen ab. Einige Stunden fahren wir über kurvige Pisten durch die dicht bewaldeten Berge. Unser Ziel ist eine Finca, die Lebensbaum seit Jahrzehnten mit feinstem Demeter-Kaffee beliefert. Endlich entdecken wir eine Gruppe von Häusern, umgeben von der Plantage, in der sich Schattenbäume und Kaffeesträucher wie in einem Urwald abwechseln. Die Kaffee-Ernte ist in vollem Gange. Männer und Frauen zupfen fröhlich schwätzend und trotzdem konzentriert die dunkelroten Kirschen von den Zweigen. Diese werden noch vor Ort entkernt und bis zum versandfertigen Rohkaffee aufbereitet.

Eine Einmaligkeit in der Gegend: Während die Eltern arbeiten, ist ihr Nachwuchs im Finca-eigenen Kindergarten und in der Schule rund ums Jahr gut auf gehoben. Hier werden nicht nur die üblichen Fächer gelehrt, sondern auch all das, was die Kinder wissen müssen, um die umgebende Natur wertschätzen und schützen zu können. Tiere werden beobachtet, Pflanzen bestimmt und die Wirkung ihrer Früchte besprochen. So bleibt wichtiges traditionelles Wissen der Indigenas erhalten – ein guter Grund für Lebensbaum, die Schule dauerhaft zu unterstützen.

Die meisten Familien wohnen direkt auf dem Gelände, wo sie neben einem Haus auch die Möglichkeit haben, eigene Nahrungsmittel anzubauen. Gute Arbeits- und Lebensplätze, die die grassierende, unheilvolle Landflucht überflüssig machen.

Am Abend gesellen wir uns zu ihnen und kosten von den vielfältigen Mais und Bohnengerichten, die oft so scharf sind, dass uns die Tränen in die Augen steigen. Erwachsene und Kinder lachen und erzählen lebhaft durcheinander. Mexiko von seiner schönsten Seite – und wir mittendrin.

Wir bleiben auf dem amerikanischen Kontinent. Doch erstmals überqueren wir auf unserer Weltreise den Äquator und tauchen ein in Argentiniens Spätsommer. Hier warten stolze Gauchos und ein anregender Matetee auf uns – serviert ganz klassisch in einem ausgehöhlten Kürbis.

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Argentinien

Einwohner: 42 Mio.

Sprachen: Spanisch, Guaraní, Quechua u. a.

Typische Namen: Julieta, Rocío, Olivia, Mateo, Felipe, Benicio

Und Lebensbaum? Bekommt aus der Grenzregion Brasilien /Argentinien Mate-Tee

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Für jeden Argentinier ist Buenos Aires der Nabel der Welt. In dieser 13-Millionen- Metropole starten wir unsere Südamerikareise, die uns anschließend in den ruhigeren Norden führt. Egal, ob Stadt oder Land, wir sind auf der Spur von etwas ganz besonders typisch Argentinischem: dem Mate.

Buenos Aires ist unglaublich lebendig, bunt und vielfältig – und eine Stadt der Extreme: Hier gibt es die angeblich breiteste Straße der Welt und auch gleich noch die längste dazu, wo sich zu Stoßzeiten unzählige Menschen, Autos und Busse türmen. Hier gibt es die gefühlt größte Dichte an Cafés weltweit und – nach der Wiedergeburt des Tangos – auch die längsten durchtanzten Nächte. Das Leben pulsiert 24 Stunden am Tag – mindestens. Für Besucher wie uns stellt sich die Frage: Woher nehmen die Argentinier nur ihre Energie? Die Antwort steht für Groß und Klein schon morgens auf dem Frühstückstisch, wird nach dem Mittagessen und in der Nachmittagspause serviert und ist eigentlich omnipräsent: der Mate-Tee. Sein Koffein und die vielen anderen wertvollen Inhaltsstoffe mobilisieren schlummernde Energie, machen wach und fördern die Konzentration. Die Indios schätzten bereits lange vor der Ankunft der spanischen Conquistadores die Eigenschaften der Mate-Blätter, die sie Káa nannten. Das Lebenselixier tranken sie aus ausgehöhlten Kürbissen, die Mate hießen. Diesen Namen haben die Einwanderer dann für das magische Gebräu übernommen und es in Argentinien zum Nationalgetränk gemacht.

Ob Städter oder Bauer, ob Gaucho oder Intellektueller – Mate gehört für alle dazu. Sein rauchig-würziger Geschmack verheißt nicht nur Gesundheit und Wohlbefinden, sondern steht auch für Freundschaft und Heimat. Kein Wunder. Schließlich ist der Mate-Baum kein schlichtes Produkt der Evolution. Nein, er ist – so wollen es die Legenden – ein Geschenk des höchsten Gottes der Guaraní-Indianer. Und der lässt ihn bis heute nur im Dreiländereck von Argentinien, Brasilien und Paraguay gedeihen. Hier findet der Baum die subtropische Wärme, die hohen Niederschlagsmengen und die besondere Erde, die er braucht. Alle Versuche, ihn auf anderen Kontinenten bei ähnlichem Klima anzubauen, schlugen bisher fehl. Um Mate besser kennenzulernen, reisen wir Richtung Norden und machen dabei einen kurzen Abstecher zu den gigantischen Iguazú-Wasserfällen, die direkt auf der Grenze zwischen Argentinien und Brasilien ihre Wassermassen in die Tiefe schicken. Die zwei Nachbarländer sind die führenden Erzeuger, wenn es um Mate geht. Auf der brasilianischen Seite der Wasserfälle im Iguazú-Tal treffen wir Fabio. Er zeigt uns seinen Hof und die Plantage mit den Mate-Bäumen. Wild können sie eine Höhe von rund 15 Metern erreichen. Fabio stutzt die immergrünen Abkömmlinge der Stechpalmenfamilie auf die üblichen drei bis sechs Meter. Das erleichtert die Ernte, die ab April ansteht. Bis zum Oktober werden die ovalen, an den Seiten gezähnten Blätter kontinuierlich von Hand geerntet. Ob sie reif sind, erkennt der Profi an der dunkelgrünen Farbe der Oberseite, die aussieht wie von Wachs überzogen. Außerdem sind die Blätter ledrig-hart. Direkt nach der Ernte werden sie in mehreren Durchgängen getrocknet und dann grob geschnitten. Den besonderen Geschmack entwickeln die Mate-Blätter aber erst während ihrer Ruhezeit, die normalerweise mehrere Monate dauert.

Nach unserem Rundgang schlürfen wir mit Fabio den Mate-Tee, wie es die Tradition verlangt: Zuerst werden die Mate-Blätter in einem Kürbis trocken aufgeschüttelt und dann mit Wasser überbrüht. Der Kürbis kreist in unserer kleinen Runde. Jeder saugt am gleichen metallenen Röhrchen. Unsere Freundschaft ist dadurch besiegelt – so will es das Mate-Ritual.

Nun haben wir Kraft getankt für den weiten Weg in den Süden des Kontinents. Unser Ziel ist Patagonien, wo wilde Rosen und ihre süßen Früchte auf uns warten. 

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Patagonien

Einwohner: 42 Millionen (Patagonien eine Million, unter drei Einwohner/Quadratkilometer)

Sprachen: Spanisch, Mapudungun (Sprache der Mapuche-Indianer)

Typische Namen: José, Francisco, Juana, Marta

Und Lebensbaum? Bekommt von hier getrocknete Hagebutten

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Patagonien – ein Ziel in Argentinien, das jeden Globetrotter kribbelig macht. Denn hier erwartet einen noch echtes Abenteuer. Wilde, unberührte Natur, so weit das Auge reicht. Und plötzlich zwischen Pampasgras werden wir Menschen treffen, die Hagebutten sammeln. Eine echte Überraschung.

Gefühlt liegen Welten zwischen dem trubeligen Buenos Aires, das wir hinter uns gelassen haben, und dem einsamen Lago Puelo in Nordpatagonien, dem Ziel unserer Reise. Rund 1.600 Kilometer süd- westlich von der Hauptstadt liegt das kleine Städtchen direkt an einem Bergsee am Fuß der Anden. Die schneebedeckten Gipfel bieten eine majestätische Kulisse. Die Luft ist klar und immerhin lauwarm.

Wir sind hier ein wenig geschützt vor dem sonst allgegenwärtigen und andauernden Pfeifen des scharfen Windes der patagonischen Ebene. Er macht das Leben für Pflanzen und Tiere und damit dann auch für die Menschen ungemütlich. In Patagonien bleiben nur die Härtesten: Rund eine Million Einwohner verteilen sich in Patagonien auf eine Fläche, die mehr als doppelt so groß ist wie ganz Deutschland. Jenseits der Ortschaften ist es einsam in der grasbewachsenen, steppenartigen Landschaft. Sie ist wild und zumeist unberührt.

Am ersten Mittag in Lago Puelo hält ein Pick-up vor unserer Herberge. Juan holt uns ab, damit wir hier die Hagebuttenernte und -verarbeitung kennenlernen können. Insgesamt sind über 3.500 Hektar für die Wildsammlung zertifiziert. Gemeinsam fahren wir in die Berge und halten an einem Bauernhof. Von hier geht es für uns – oh Schreck – per Pferd weiter ins unwegsame Gelände. Während wir so dahinzuckeln sehen wir immer mehr Hagebuttensträucher: Rosa Mosqueta, einer Wildrosenart. Die Rose ist robust, gedeiht prächtig in dem kalten, trockenen Klima und beschert Argentinien und Chile jedes Jahr eine reiche Ernte. Zusammen sind die beiden Länder die größten Exporteure für Hagebutten in der Welt. „50 Prozent der Welternte kommen von hier“, erzählt uns Juan, der einer Gruppe von Menschen freundlich zuwinkt. Es sind Pflücker, die sich zwischen den Sträuchern tummeln. Sie zeigen uns, wie sie mit der Harke behutsam die letzten reifen Früchte abstreifen – direkt in den kleinen Auffangkorb. Seit gut drei Monaten ist Erntezeit. Die Sammler durchkämmen das stachlige Gebüsch Meter für Meter. Als wir nach zwei Stunden zum Hof zurückkehren schmerzt uns der Hintern ein wenig. Dafür stehen direkt neben unserem Wagen einige Säcke Hagebutten bereit: Die heutige Ernte ist per Handkarren angekommen. Juan lädt die wertvolle Fracht, wie jeden Tag, auf seinen Pick-up, dann fahren wir damit zurück nach Lago Puelo zur kleinen Hagebuttenfabrik.

Ein Mitarbeiter schultert hier die Säcke und entleert sie in einen Ofen, in dem die Hagebutten über Nacht bei ca. 50 °C getrocknet werden. Am nächsten Morgen werden diese kurz abgekühlt und landen dann Kilo für Kilo zum Entkernen und zum Entfernen der Härchen in verschiedenen Schneide- und Siebanlagen. Eine halbe Stunde dauert es, bis die sauberen Hagebuttenschalen in der gewünschten Größe herauskommen. Bevor diese exportfertig sind, durchlaufen sie aber noch einen letzten Verarbeitungsprozess: Ein Gerät prüft die Farbe der Hagebuttenschalen, die dann nach Farbintensität sortiert werden. „Das gewährleistet, dass wir nicht nur hohe Qualität, sondern optisch sehr homogene Ware liefern können“, erklärt uns Juan. „Es sind die besten Hagebutten, die ich kenne“, sagt er schmunzelnd und nimmt eins der aromatischen, vitaminhaltigen Früchtchen in den Mund. In Argentinien werden Hagebutten bisher nur wenig verzehrt – sie gehören hier zu den exotischen Früchten, denn die Europäer haben die Pflanzen im 18. Jahrhundert eingeschleppt. Genauso wie die Pizza, die es heute zum Abendessen gibt.

Und während wir so auf unsere Pizza schauen, macht sich das Heimweh doch ein wenig bemerkbar. Wir möchten gerne wieder einmal nach Hause. Gute Zeit, denn Spätsommer ist Apfelzeit. Wir sehen uns am Bodensee wieder.

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Lindau in Schwaben

Einwohner: 1,8 Mio.

Sprachen: Schwäbisch, Hochdeutsch

Typische Namen: Grischdiene (Christine), Aschdrid (Astrid), Maggus (Markus), Luggas (Lukas)

Und Lebensbaum? Bekommt von hier Äpfel

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Endlich die Landung, es ist so weit: Wir haben wieder heimischen Boden unter den Füßen. Auch wenn vieles doch etwas ungewohnt scheint: Hügel, Dialekt, Föhnwinde? Bodensee statt niedersächsischem Dümmer See eben. Mit dem Zug geht’s von Friedrichshafen nach Lindau.

Schon die Einfahrt in den Lindauer Bahnhof ist eine kleine Attraktion. Hafen und Bahnhof liegen hier nah beieinander auf der gleichnamigen Insel. Der Insel, auf der Lindenbäume wachsen, wie der Name verspricht. Hier liegt, nur durch Eisenbahndamm und eine Brücke mit dem Festland verbunden, der alte Ortskern der Stadt. Wir erkunden ihn zunächst auf eigene Faust, wollen näher ans Wasser.

Dort wird es noch einmal deutlich: Von unserem norddeutschen Dümmer mit seinen 14 Quadratkilometern sind wir hier weit entfernt. Imposant ist aber nicht nur die Größe des Sees – 536 Quadratkilometer–, sondern auch die Lindauer Hafeneinfahrt: auf der einen Seite der südlichste Leuchtturm Deutschlands, auf der anderen Seite ein steinerner Löwe, das Wahrzeichen Bayerns. Davor kreuzen unzählige Segelboote und Surfer am fast warmen Wind.

Unser Gastgeber und Reiseführer Claudius Haug holt uns im Ortszentrum ab. Sein Weingut liegt außerhalb der Stadt. Schon auf der Fahrt ist nicht zu übersehen, dass wir in einer „fruchtigen“ Gegend gelandet sind: Die weiche Hügellandschaft ist übersät mit Apfelplantagen, Hänge voller Weinstöcke leuchten in der Sonne. Die Region sieht aus wie ein gewellter Flickenteppich.
Auf dem Wein- und Obstgut Haug empfängt uns der süße Duft reifer Äpfel und Trauben. Zwischen dem jahrhundertealten Wohnhaus und den anliegenden Wirtschaftsgebäuden herrscht reges Treiben. Wir sind pünktlich zur Apfelernte angekommen. Kleine Trecker tuckern durch die niedrigen Obstkulturen, auf den schmalen Anhängern werden die handgepflückten Äpfel gesammelt. Ein Bauer wirft uns lachend einen Apfel zu. Wir beißen genüsslich hinein und lassen uns die Geschichte des Gutes erzählen:

Vor über zehn Jahren hat Claudius den Hof von seinem Vater übernommen. Es wurde alles auf Bio umgestellt. Auch zwei der südlichsten Weinberge Deutschlands gehören zum Familienbesitz. Apfelsorten wie Topaz, Elstar, Gala und Collina nehmen den Löwenanteil der Obstanbaufläche ein. Dazu kommen Birnen und Zwetschgen – unter anderem für die hofeigene Schnapsbrennerei.

Wir auch. Die Wäsche will gewaschen, Familien wollen besucht werden. Und ein Stück von Omas Apfelkuchen ist längst überfällig! Mit einer Flasche Haugschem Wein und vielen, vielen Eindrücken im Gepäck geht es nach langer Zeit wieder nach Hause. Erstmal. Einige Äpfel sind für etwas weniger hochprozentige Getränke vorgesehen: Sie müssen für unsere Früchtetees vorbereitet werden. Dazu werden sie, wie alle anderen Äpfel, erst einmal gewaschen und sortiert – ganz behutsam, damit keine Druckstellen entstehen. Die „Teeäpfel“ werden, im Gegensatz zu den Tafeläpfeln, auf dem Weg nach Norden in Königsmoos weiterverarbeitet. Entkernt und in Scheiben geschnitten wird ihnen auf ihrer Reise durch die Trocknungsanlage schonend die Feuchtigkeit entzogen. Auf die gewünschte Größe zerkleinert machen sie sich dann auf den Weg nach Diepholz.

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Südafrika

Einwohner: 51,81 Mio.

Sprachen: Afrikaans, Englisch, Süd-Ndebele, Xhosa, Zulu, Nord-Sotho, Sesotho, Setswana, Siswati, Tshivenda, Xitsonga

Typische Namen: Thabo, Luvuyo, Arnold, Grant, Ayanda, Thandeka, Megan, Tessa

Und Lebensbaum? Bezieht von hier kupferroten Rooibos- und Honeybushtee

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So schön es auch war, Freunde und Familie wiederzusehen: Es zieht uns wieder in die Ferne. Genauer gesagt: nach Südafrika! Dort, abseits von Weihnachtsprinten, Christstollen und Dominosteinen, begeben wir uns zur Weihnachtszeit auf die Spuren eines kupferroten Tees, der nur hier zu finden ist – Rooibos, afrikaans für roter Busch.

Nach einer knapp 20-stündigen Anreise erwarten wir sehnlichst die Landung in Kapstadt. Allerdings trifft uns schon beim Ausstieg der Schlag. Und zwar in Form von trockener Luft und 40 Grad im Schatten. Während bei uns zu Hause der Winter Einzug hält, herrscht in Südafrika nämlich Sommer. Und Hochsaison!

Abgeholt werden wir von unserer Freundin Miriam. Sie ist seit langem in Kapstadt daheim und blickt wohlwollend auf die Touristenströme: potentielle Kunden für ihren Arbeitgeber, Nomad Adventure Tours. Auf geht es zum hübschen Atlantic Point Backpackers – ein Tipp von Miriam. Die Zeitumstellung beträgt nur eine Stunde. Mit Hitzekoller, aber ohne Jetlag erkunden wir gleich Kapstadt. „Für den richtigen Überblick über die Stadt muss man einfach auf den Tafelberg“, verkündet Miriam. Zum Glück liegt auf der Tafel heute kein „Tischtuch“, so nennt man es, wenn eine dichte Wolkendecke über dem Berg liegt.

Die Aussicht vom Tafelberg ist unglaublich. Hier oben treffen wir auf mutige Menschen, die eine andere Art des Abstiegs wählen – Abseiling steht hoch im Kurs –, und auf einen Mini-Verwandten des Elefanten: Die Dassies, auch Klippschliefer genannt, sehen ein bisschen aus wie Meerschwein-Murmeltiere und klettern ihren weichen Hufen zum Trotz in Büschen herum. Possierlich, aber mit ihren Möchtegern-Stoßzähnen auch zupackend, wenn sich Finger nähern.

Unversehrt mit der Seilbahn – Schweizer Fabrikat – wieder unten angekommen, schlendern wir durch die Long Street, vorbei an viktorianisch-schnörkelig verzierten Häusern. Wir gönnen uns einen letzten Drink auf der Dachterrasse des Penthouse on Long. Immerhin werden wir am nächsten Morgen um sieben Uhr abgeholt: Wir wollen in den Zederbergen nach dem roten Busch suchen.

Um sieben stehen wir pünktlich zur Abfahrt bereit. Damit sind wir in unserem Backpackers zwischen all den Surfern und Studenten um die Uhrzeit allein. Um acht Uhr stehen wir immer noch da und warten. Es ist kurz nach halb neun, als ein dunkelblauer VW Jetta vor uns hält. Pieter steigt aus und begrüßt uns so fröhlich, dass unser Groll schnell verfliegt. Europäische Zeitstandards zäh len nun mal nicht in Afrika.

Die 200-Kilometer-Fahrt ist schon ein kleines Abenteuer: Zwar ist die Straße gut ausgebaut, aber statt Fasanen sieht man hier Paviane, statt auf Igel zu achten, muss man für Schildkröten bremsen.

Schon bald tauchen vor uns riesige Sandsteinfelsen auf, bunt gestreift von Gelb bis Rostrot. Wir sind gespannt auf den Rooibos. Angesichts der Hitze, der Dürre und des steinig-staubigen Bodens kann man sich allerdings nur schwer vorstellen, dass hier überhaupt etwas wächst. Man sollte sich aber besser aufs Fahren konzentrieren, denn die Straßenführung ist nichts für schwache Nerven: links die Berge, rechts ein bedrohlich steiler Abhang. Als Warnung findet sich in der Tiefe das ein oder andere rostige Auto.

Kurz vor Clanwilliam, einem der ältesten Orte Afrikas, passieren wir große Ebenen, mal voller Orangenbäume, mal voller – Ginster? Bei genauerem Hinsehen erkennt man, dass es sich lediglich um einen entfernten Verwandten handelt: den Rooibos. Aber rot ist er nun wirklich nicht. Je höher wir kommen, desto kleiner und unwegsamer werden die Rooibosfelder. Pieter erklärt uns, dass wir rechtzeitig zur Ernte ankommen. Im Frühsommer legen die Sträucher eine Wachstumspause ein. Dann werden die jungen Zweige von Hand abgeschnitten, gebündelt und mit dem Eselskarren von den Feldern zum Verarbeiten gebracht – Trecker, wie auf den Ebenen, können hier nicht eingesetzt werden. Die Zweige werden maschinell geschnitten und in langen Reihen aufgehäuft. Die Fermentation durch eigene Feuchtigkeit bringt die rötlich braune Farbe. Nach einem Tag wird der Rooibos zum Trocknen ausgebreitet. Grüner Rooibos wird sofort getrocknet.

Spannend. Und schon geht es weiter: Miriam hat die Rückfahrt für uns mit einem ihrer Adventure Trucks, der sich gerade auf dem Weg von den Victoriafällen nach Kapstadt befindet, organisiert. In der Nähe von Citrusdal verbringen wir mit der Reisegruppe die Nacht. Der Blick auf die Berge raubt uns den Atem: Das orangerote Abendlicht bringt sie zum Leuchten! Allerdings nur kurz, denn die Nacht kommt hier schnell. Damit sich unsere weite Anreise auch lohnt, beschließen wir, bis nach Weihnachten zu bleiben. Miriam verspricht uns ein traditionelles Weihnachtspicknick am Strand – wir sind gespannt! Bis dahin bewundern wir die Straßen- und Schaufensterdekoration, inklusive Tannenbaum mit Wattebäuschen als Schnee. Auch wenn es den in Kapstadt zu Weihnachten wohl nie gegeben hat.

Im Anschluss wird uns unsere Reise nach Ägypten führen. Auf uns warten Pyramiden, Pharaonen – und Bio-Landbau mitten in der Wüste! 

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Ägypten I

Einwohner: 80,72 Mio.

Sprachen: Modernes Hocharabisch, Ägyptisch-Arabisch, Nubisch, Siwi, Bedscha

Typische Namen: Anwar, Fawzia, Hossam, Nefret, Aziza

Und Lebensbaum? bezieht von hier Kamille, Basilikum, Koriander und vieles mehr in Demeter-Qualität

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In acht Stunden vom einen Rand des Kontinents zum anderen: Wir star­ten in Kapstadt und landen in Kairo. Nachdem wir am Flughafen-Bank­schalter für 15 US-Dollar unsere Vi­sumsaufkleber für die Pässe gekauft haben, holt uns ein Fahrer ab. Unser Ziel: unser Lieferant Sekem, circa 50 Kilometer von Kairo entfernt. Will­kommen im Abenteuer Ägypten.

Schwungvoll knattern wir los – um kur­ze Zeit später im Feierabendverkehr von Kairo stecken zu bleiben. Stop-and-go auf einer sechsspurigen Straße. Unser Fah­rer lässt sich nicht beirren. Kurzerhand weicht er auf den Schotter neben der Fahrbahn aus, nimmt einen kleinen Um­weg quer über einen Acker und durch di­verse Hinterhöfe und schon sind wir wie­der auf der richtigen Strecke, ganz ohne Stau. Warum nicht.

1977 kämpfte sich hier ein VW-Bus durch die ägyptische Wüste. Drin saß Ibrahim Abouleish, auf dem Weg nach Hause. Von seinem 21 Jahre langen Aufenthalt in Ös­terreich hatte er nicht nur einen Doktor der Chemie, sondern auch seine Frau Gu­drun, Sohn Helmy und Tochter Mona mit­gebracht. Nicht zu vergessen seine Ver­bundenheit mit der europäischen Kultur sowie ein tiefes Verständnis der anthro­posophischen Lehren Rudolf Steiners. Ex­zellente Karriereaussichten in Österreich konnten Ibrahim Abouleish nicht davon abhalten, nach Ägypten zurückzukehren. Dort wollte er ein Unternehmen gründen, das den Menschen langfristig eine wirt­schaftliche, soziale und kulturelle Le­bensgrundlage bietet.

Was er mit seiner Vision geschaffen hat, ist beeindruckend: Sekem ist nicht nur ein hervorragender Lieferant für Kräuter und Gewürze in Demeter-Qualität, son­dern auch Arbeitgeber für über 2.000 Menschen aus der Region. Im ganzen Land hat Sekem fünf verschiedene Stand­orte. Aus 70 Hektar Wüste, die Ibrahim Abouleish 1977 kaufte, sind inzwischen 605 Hektar geworden. Und jeder einzel­ne wurde in fruchtbares Ackerland ver­wandelt. Zusätzliche 3.000 Hektar wer­den von 1.400 selbstständigen Bauern nach Sekem-Richtlinien bestellt.

In Bilbeis, auf der ursprünglichen Sekem- Farm, empfangen uns Ibrahim und Hel­ my Abouleish, der heute Geschäftsfüh­rer der Sekem-Gruppe ist. Gemeinsam spazieren wir über das Areal. In den Pal­men turnen grüne Halsbandsittiche und auf den Steinmauern sonnen sich klei­ne Geckos. Wir kommen rechtzeitig zur Ringelblumenernte. Orange Blüten, so­weit das Auge reicht.

Die Sekem-Farm beherbergt auch sozi­ale und kulturelle Einrichtungen. Dazu gehören ein Ärztezentrum, ein Waldorf-kindergarten und eine Waldorfschule, die auch den umliegenden Dörfern offenste­hen. Mittlerweile gehen Kinder in den Kindergarten, deren Mütter schon dort waren. Außerdem gibt es eine Schule für Behinderte, Künstlerateliers sowie ein großes Amphitheater. In der Nähe von Kairo kam vor kurzem eine eigene Uni­versität hinzu. „Unternehmertum, Bil­dung und Umweltschutz gehören zu­sammen, stärken sich gegenseitig“, ver­rät Ibrahim Abouleish seine Philosophie.

Unser erstes Abendessen in Ägypten ist das köstlichste Ei der Welt: Im Speisesaal serviert uns ein einheimischer Koch eine Art Frittata. Satt, glücklich und vol­ler Neugier verbringen wir die Nacht im Rundhaus, dem ältesten Haus der Farm. Hier hat alles angefangen.

Um ein Gefühl für das heutige Ägypten zu bekommen, fahren wir am nächsten Morgen nach Kairo zum Khan el-Khali­li. Der traditionelle Basar ist gezeichnet von den Turbulenzen des Landes: In den sonst vom regen Treiben beherrschten Gängen, in denen man früher vor Tou­ristenscharen kaum den Boden vor sei­nen Füßen sehen konnte, sind wir fast al­lein. Viele Läden mussten schließen. Die Verkäufer, die noch da sind, bedanken sich herzlich für unseren Besuch.

Während sich der Himmel über der Wüste violett färbt, machen wir uns auf den Weg zurück zu Sekem.

Es geht uns wie so vielen vor uns, die zu Besuch kamen und sich dann einfach nicht mehr von die­sem ungewöhnlichen Ort trennen konnten. Wir haben längst nicht alles gesehen und erlebt – also verschieben wir unsere Abreise. Das Abenteuer Sekem geht für uns weiter.

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Ägypten II

Einwohner: 80,72 Mio.

Sprachen: Modernes Hocharabisch, Ägyptisch-Arabisch, Nubisch, Siwi, Bedscha

Typische Namen: Ahmed, Mohammed, Hashem, Soraya, Yasmin, Maryam

Und Lebensbaum? Bezieht von hier z. B. Kamille, Süßholz und Zitronengras in Demeter-Qualität

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Vor fast 40 Jahren hatte Ibrahim Abouleish den Plan gefasst, in Ägyp­ten etwas aufzubauen, von dem Natur und Mensch profitieren wür­den. Die Wüste fruchtbar zu machen und dabei Arbeitsplätze und damit eine Lebensgrundlage für viele Leute zu schaffen. Die für ihn einzig ein­leuchtende und nachhaltige Metho­de: biologisch-dynamischer Anbau, nach den Lehren Rudolf Steiners.

Was Abouleish erschaffen hat, konnten wir in den vergangenen Wochen bestau­nen: Kindergarten, Schule, Künstlerate­liers, Ärztezentrum, Obst- und Gemüse­anbau – die Sekem-Farm hat alles, was nötig ist, um ihre Mitarbeiter und deren Familien rundum zu versorgen.

Geweckt vom Ruf des Muezzins wachen wir langsam auf. Dass es noch vor Son­nenaufgang ist, spürt man auch an der Luft: Noch liegt die Kühle der Nacht über der Wüste, hier 50 Kilometer vor Kairo.

Von draußen hören wir Stimmen. Ara­bisch, aber auch Deutsch und Englisch werden auf der Farm gesprochen. Orient und Okzident treffen hier aufeinander, kommen doch von überall immer wie­der Menschen, um sich Sekem anzuse­hen oder hier zu arbeiten.

Nach dem morgendlichen Kampf mit dem Moskitonetz überm Bett (ja, auch in der Wüste gibt es Mücken) geht es zum Früh­stück und dann auf die Reise: Wir wollen sehen, wo unsere Kräuter im Wüstenbo­den wachsen.

Unser Weg führt vorbei an den Stal­lungen – und einem vertrauten Anblick: Schwarzbunte und Allgäuer Braunvieh – mit Hörnern, versteht sich. Gemächlich kauen sie ihr Grünfutter. Das hübsche Rindvieh ist nicht nur zum Streicheln da. Der Mist ist wichtiger Bestandteil der Kompostherstellung. Irgendwie muss die Wüste ja grün werden.

Hinter einer kleinen Mauer, unweit von Sekem, türmen sich Mist und Pflanzen­abfälle meterhoch, in Reihen, soweit das Auge reicht. Der Boden dazwischen ist von schöner dunkler Erde bedeckt. Hier entsteht Kompost für die 840 Hektar, die Sekem derzeit bewirtschaftet. Die Me­thode, nach der er hergestellt wird, spart viel CO2 ein. So viel, dass damit an ande­rer Stelle CO2 kompensiert werden kann. Mit dem Verkauf der Kompensationszer­tifikate werden wiederum klimafreund­liche Projekte rund um Sekem fi­nanziert.

Aber zurück zum Kompost: Mit seiner Hilfe sowie dem Einsatz von Demeter-Präpa­raten wie Hornmist wird der Boden na­türlich aufbereitet und die Pflanzen mit Nährstoffen versorgt. Welche Pflanzen sich für den Anbau im Wüstenklima eig­nen, wird auf Versuchsflächen in Adleya erprobt.

Mit Wasserflaschen ausgerüstet geht es im Jeep quer durch die Wüste. Genauer gesagt durch den ägyptischen Teil der Li­byschen Wüste, was wiederum ein klei­ner Teil der Sahara ist. Sprich: Gut 450 Ki­lometer und sieben Stunden Sand liegen vor uns. Er liegt in sanften Wellen an den Seiten der Straße und der – Schienen? Unser Straßenverlauf folgt immer wie­der einsamen Schienen, die sich durch den Wüstensand schlängeln. „Die füh­ren zur Mine in der Nähe der Oase. Dort wird Eisenerz abgebaut“, erklärt uns un­ser Fahrer Kalil. Was er uns leider auch erklärt, ist die hohe Unfallrate auf dieser Strecke: „Am Morgen liegt die Strecke im Nebel. Da es keine Abfahrten gibt, dieman verpassen könnte, ni­cken manche Fahrer ein.“ Erst vor kurzem sind hier fünf LKW ineinandergefahren.

Wir passieren unfallfrei die Ghurd Abu Muharrik, mit 500 km die längste Wan­derdüne der Welt. Auch sie ist auf Reisen: Neun Meter weit bewegt sie sich pro Jahr.

Wir sind etwas schneller und erreichen bald unser Ziel: die Oase Bahariyya. Hier baut Sekem für uns Kamille, Süßholz und Zitronengras an. Um die Felder frucht­bar zu machen, wurden Brunnen gebohrt und pro Hektar Land zehn Tonnen Kom­post eingearbeitet. Das Ergebnis ist so offensichtlich wie verblüffend: Der sorg­sam behandelte Wüstenboden lässt Kräu­ter und Gewürze dort wachsen, wo sonst kaum etwas wächst. Heute bleiben wir hier im gefühlten Niemands­land. Morgen geht es zurück nach Sekem.

Schweren Herzens müssen wir uns bald von Ägypten, Sekem und der Familie Abouleish ver­abschieden. Auf uns wartet ein neues Abenteuer: Vietnam. Wir wollen sehen, wo unser Sternanis herkommt. Und vielleicht eins der seltenen Siam- Krokodile entdecken. 

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Vietnam

Einwohner: ca. 90 Millionen

Sprache: Vietnamesisch

Typische Namen: Mai Ly, Minh, Huy, Thuc, Ngoc

Und Lebensbaum? bekommt von hier Sternanis

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Von Ägypten geht es über Bangkok nach Vietnam. Auf unseren Reisen haben wir schon so manchen Klima- und Kultursprung vollzogen – von der Wüste in den Regenwald, das schafft allerdings auch uns. Unsere Neugier ist dennoch ungebremst. Gewürze, die als Stern wachsen, findet man schließlich nicht an jeder Ecke.

Nach 16 Stunden Flugreise erreichen wir unser (vorläufiges) Ziel: Hanoi. Die Sechs-Millionen-Metropole empfängt uns mit Trubel, Lärm und allerlei Gerüchen. Was uns zunächst einmal weniger zu schaffen macht als die hohe Luftfeuchtigkeit. Temperaturen um die 36 Grad
sind wir inzwischen gewohnt, aber im Anschluss an Kairo gleicht der Norden Vietnams einer Sauna. Wir lassen es also langsam angehen, müssen uns erst einmal akklimatisieren. Zum Glück haben wir dafür einige Tage in Hanoi eingeplant. 

Schon beim ersten Schritt aus unserer Unterkunft heraus stehen wir mittendrin in Vietnam. Fast im wahrsten Sinne des Wortes: Wenn man nicht aufpasst, wo man hintritt, findet man sich mit den Füßen in Töpfen und Schüsseln mit vietnamesischen Spezialitäten wieder, die auf den Straßen zubereitet und angeboten werden. Hier kaufen wir unser Frühstück, Phở Bò – auch wenn es für uns etwas ungewohnt ist, den frühen Morgen mit einer würzigen Nudelsuppe zu beginnen. Der Grund, aus dem wir hier sind, lässt sich leicht herausschmecken: Sternanis.

Wir lassen uns von der Stadt treiben, durch zahlreiche kleine Gassen, vorbei an kleinen und noch kleineren Verkaufsständen mit Fisch oder Reishüten. Jedes Stückchen Fußweg wird genutzt. Das ist allerdings nichts im Vergleich zu dem, was auf den Straßen von Hanoi passiert:
Motorräder und -roller in Schwärmen, dazwischen Autos und Fahrräder schieben sich gegenseitig durch die engen Straßen. Und immer wieder Fußgänger, die, wie es scheint, einfach drauflosgehen, um auf die andere Straßenseite zu kommen. Das Ganze spielt sich
in einer unglaublichen Gelassenheit ab. Müssen wir die Straßenseite wechseln, schließen wir uns daher lieber Einheimischen an. Die scheinen zu wissen, wie das funktioniert. 

Es wird Zeit für uns, die über 1.000 Jahre alte Stadt hinter uns zu lassen. Mit Mietwagen und Straßenkarten ausgestattet machen wir uns auf den Weg in den Norden, quer durch die „Reisschüssel“. So wird der nördliche Teil Vietnams genannt, der Süden aber auch. Verbunden
sind sie durch das „Essstäbchen“, einen schmalen, weniger bewohnten Landstreifen. Und tatsächlich müssen wir nicht weit fahren, um die ersten Reisfelder zu Gesicht zu bekommen. Unser Ziel liegt allerdings noch etwas weiter im Norden, nahe der chinesischen Grenze. Wir sind auf der Suche nach Suoi Bu, einem kleinen Dorf inmitten von tropischen Wäldern. An einer der Hauptstraßen werden wir zum Glück erwartet: Phuk, einer der Bauern von Suoi Bu, heißt uns willkommen und führt uns durch ein tiefgrünes Tal. Links und rechts von uns erheben sich dicht bewaldete Hügel und Berge. Hier wachsen Zimtbäume, Ingwer, Kurkuma und – worauf wir besonders gespannt sind – Sternanis!

„Bis wir die Gewürze als Einnahmequelle entdeckt haben, gab es in unserem Dorf nicht viele Möglichkeiten, sich über Wasser zu halten. Heute arbeiten wir fast alle bei der Ernte und der Verarbeitung mit und haben ein sicheres Einkommen“, erklärt Phuk, während er uns (inzwischen zu Fuß) in einen kleinen Wald führt. Überall Bäume mit heller Rinde, ledrigen Blättern und seltsam sternförmigen Fruchtständen: ein Sternanisbaumwald. Die Früchte bestehen meist aus acht Zacken, die je einen Samen enthalten. Sie werden mehrmals im Jahr kurz vor der Reife geerntet und getrocknet. Dabei entstehen die hübschen braunen Sterne, denen wir in Deutschland statt in der Nudelsuppe vor allem zur Weihnachtszeit oft begegnen. Hübsch ist übrigens auch die ganze Gegend hier oben. Deshalb bleiben wir auch noch ein wenig hier, um zu wandern. Ruhe tanken, bevor die Reise weitergeht.

Schon bald geht es für uns nach Australien. Richtung Airlie Beach. Wir wollen uns ansehen, wie Lemon Myrtle geerntet wird. Und vielleicht bleibt noch Zeit, das Great Barrier Reef zu bewundern.

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