Sustainability Nachhaltigkeit
29. Januar 2021

Boden für alle

Fruchtbarer Boden ist die Daseinsvorsorge der Menschheit. Denn alles, was wir essen, bedarf eines Stückchens gesunder Erde, um darin oder darauf zu wachsen. Doch den Boden können sich diejenigen, die ihn sinnvoll bewirtschaften, kaum noch leisten. Das wollen wir ändern und unterstützen daher die Initiativen „Gemeinsam Boden gut machen“ und „BioBoden Genossenschaft“. Hier stellen wir die BioBoden Genossenschaft vor. Die Genossenschaft hilft Bio-Landwirten, indem sie Boden für sie kauft und zu fairen Preisen an sie verpachtet.

 

Bio Boden

 

Kühe lächeln uns von der Milchpackung entgegen, im Hintergrund ein kleines Bauernhaus vor Bergpanorama. Hüh­ner picken auf dem Eierkarton über sonnenbeschienene Wiesen, der Bauer höchstpersönlich hält uns strahlend die Gemüseernte entgegen. Viele Lebens­mittelverpackungen beschwören eine kleinbäuerliche Idylle, die im Verschwin­den begriffen ist. Wir wünschen uns, dass die so romantisch illustrierten Produkte aus einer Landwirtschaft stammen, in der sich die Kühe und Hühner tatsächlich wohlfühlen, in der abwechslungsreiche Felder das Landschaftsbild dominieren, auf denen Schmetterlinge, Bienen und Hummeln ausreichend Nahrung finden. In der Realität aber ist der Preisdruck der entscheidende Faktor. Er sorgt für eine Landwirtschaft, die natürliche Ressour­cen mit Massentierhaltung und Monokul­turen verbraucht statt gebraucht. Infolge­dessen verstummen zuerst die Insekten und danach die Vögel.

Verantwortlich für diese Entwicklung sind vor allem die zu geringen Preise für Lebensmittel. Die Folge: Ein fruchtba­res Stück Boden dauerhaft für eine nach­haltige Landwirtschaft zu gewinnen, ist schwer geworden. Denn am Markt agie­ren industrielle Großbetriebe, die durch eine nicht nachhaltige Bodennutzung gestützt von EU-Subventionen deutlich mehr Geld auf den Tisch legen können. Wohlgemerkt für ein Gut, das für unser Leben ebenso wichtig ist wie sauberes Wasser und die Luft zum Atmen. In gro­ßem Maßstab möglichst einseitig zu pro­duzieren wird als Effizienz gelobt und als sinnvoll verkannt. Die Folgen dieser in­dustriellen Landwirtschaft sind bereits deutlich zu sehen. Weltweit sinkt die Bo­denfruchtbarkeit in schwindelerregen­dem Tempo.

Boden ist heiß begehrt

Auch abseits der Landwirtschaft ist Boden heiß begehrt, so wird etwa immer mehr Bauland erschlossen. Da Boden endlich ist, lässt es sich mit ihm aber auch her­vorragend spekulieren. In dieses Geschäft sind längst große Investoren eingestie­gen. Sie kaufen Land, um es später mit Gewinn weiterzuverkaufen, oder sie ver­pachten es zu ständig steigenden Preisen. All das treibt den Marktwert des Bodens in absurde Höhen. Mussten Bauern 2009 durchschnittlich noch rund 10.900 Euro für einen Hektar Land bezahlen, waren es 2018 schon rund 25.500 Euro – mehr als doppelt so viel.

Vor allem Bio-Bauern, die eine sinnvol­le und naturverbundene Landwirtschaft betreiben wollen, um so gesunde und pestizidfreie Lebensmittel herzustellen, können in dem Preiskampf mit konven­tionellen Großbetrieben und Investoren nicht mithalten. Denn der Mehraufwand für den richtigen Umgang mit Tieren und Umwelt lässt sich am Lebensmit­telmarkt nur schwer erwirtschaften. Ge­nau da setzt BioBoden an. Die Genossen­schaft gründete sich 2015 aus der GLS Bank und der GLS Treuhand heraus. Auf Anfrage kauft BioBoden Agrarflächen für Landwirte und verpachtet diese zu einem stabilen Preis an sie. Einzige Auf­lage für die Bauern: Sie müssen die Flä­che nach den Standards eines Bio-An­bauverbands bewirtschaften. So entzieht BioBoden nicht nur immer mehr Flä­chen dem Spekulationskreislauf, son­dern fördert auch kleinbäuerliche Struk­turen und den ökologischen Landbau. Deutschlandweit verpachtet die Genos­senschaft mittlerweile eine Fläche von gut 3.500 Hektar an rund 70 Landwirte.

Wir von Lebensbaum waren von Anfang an als Gründungspartner dabei. Bio­Boden fördert eine Landwirtschaft, die auch für uns die einzig richtige ist: öko­logisch, nachhaltig, in Einklang mit Na­tur und Mensch. Dadurch können klei­ne Bio-Betriebe bestehen und wachsen. Uns als Pionier der ökologischen Lebens­mittelwirtschaft ist die Förderung unse­rer Ernährungsgrundlage ein wichtiges Anliegen.

BioBoden setzt mit der Form der Genos­senschaft auf die Kraft der vielen. Die Grundidee: Boden sollte kein Privatbe­sitz und damit eine Ware sein, sondern ein Gemeingut. 1.000 Euro kostet ein Anteil, schon über 4.700 Mitglieder ha­ben der Genossenschaft auf diese Weise Geld zur Verfügung gestellt. Ihr Leitsatz: „Ackerland in Bürgerhand“. Davon profi­tieren auch die Mitglieder selbst, wie Ge­nossenschaftsmitglied Thomas Friemel, Gründer des Magazins enorm, heraus­stellt: „Wer sich biologisch und regional ernähren will, kann nun endlich auch sel­ber die Grundlage für diese Lebensmittel schaffen. Das ist großartig.“

Jeder Hof ist anders

Wie genau das aussieht, variiert von Hof zu Hof. In einigen Fällen geht es darum, Höfen beim Wachsen zu helfen, so wie bei dem kleinen Bauernhof Weggun in der nordwestlichen Uckermark: Das Ehepaar van der Hulst hatte sich auf Beerenobst, Hühner und Schafe spezialisiert. Die bei­den gebürtigen Niederländer stellen hier aus saftigen Brom-, Him- oder Erdbeeren feine Marmeladen her. Als sie ihre Anbau­fläche vergrößern wollten, konkurrierten sie um den zum Verkauf stehenden Boden mit dem um ein Vielfaches größeren be­nachbarten Biogasbetrieb. Ohne die Un­terstützung von BioBoden hätten die van der Hulsts den Kampf verloren. So aber konnten sie ihre Fläche von 15 auf 38 Hek­tar vergrößern. Und sie wissen: Dieses Land ist ihnen dauerhaft sicher.

In anderen Fällen geht es darum, einen ganzen Betrieb zu kaufen. Das kann dann nötig werden, wenn ein Bauer in den Ru­hestand gehen und seinen Hof an die nächste Generation übergeben möchte. Einen Betrieb abzukaufen ist aber eine finanzielle Last, die junge Bauern kaum stemmen können. So ging es auch Sven Gramsch, der den Milchviehbetrieb Hof Mühlenhamm nahe der Nordseeküste von seinem Vater übernehmen wollte. Da dieser keine ausreichende Altersvorsor­ge hatte, hätte der Sohn seinem Vater den Betrieb abkaufen müssen. Die Familie wandte sich an BioBoden, die Genossen­schaft kaufte den kompletten Betrieb und verpachtete ihn an den Sohn. Der kann sich nun auf die Zucht der seltenen Deut­schen Schwarzbunten Niederungsrinder konzentrieren.

„Die Herausforderungen, vor denen die Landwirtschaft steht, sind ein gesell­schaftliches Thema. Wir dürfen die Bau­ern damit nicht alleine lassen“, findet Uwe Greff, Geschäftsführer von BioBoden. Er ist im ganzen Land unterwegs, um Bau­ern zu Beratungsgesprächen zu treffen. Regelmäßig ist er auf einem Hof im äu­ßersten Nordosten Mecklenburg-Vor­pommerns, wo die polnische Grenze zum Greifen nah ist. Denn auf dem Bauern­hof am Ortsausgang des 631 Einwohner zählenden Dorfes Rothenklempenow hat BioBoden seinen Hauptsitz. Es ist der ers­te Hof, den die Genossenschaft vollstän­dig kaufte, und einer der wenigen, die sie auch selbst bewirtschaftet. Der Blick reicht weit über das flache Land. Gänse, Kraniche und Seeadler kreuzen den Him­mel, es ist die Weite, die diesen Ort für Uwe Greff so besonders macht.

Mehr Boden für Bio – Hektar für Hektar

Zuletzt sei die Bewirtschaftung hier ein­tönig gewesen, erzählt er. Als der dama­lige Eigentümer verkaufen wollte, ent­schied Greff, nicht nur die Flächen zu kaufen, sondern auch den Betrieb zu übernehmen. Seither haucht BioBoden dem Hof neues Leben ein: Die Genossen­schaft setzte höhere Bio-Standards fest, schuf Arbeitsplätze, nahm die alte Gärtne­rei wieder in Betrieb und eröffnete einen Bioladen. In den Regalen stehen auch die Bio-Fertiggerichte und die Tortillas von zwei Start-ups, die sich an den Hof ange­gliedert haben. Darüber hinaus hat sich der Bauernhof mit zwei anderen Betrie­ben in der Umgebung zur „Höfegemein­schaft Pommern“ zusammengeschlossen. Es kehrt Leben zurück in die Grenzregion. Hier im äußersten Nordosten lebt BioBo­den den Wandel vor, den die Genossen­schaft deutschlandweit fördert – Hektar für Hektar.

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