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23. Oktober 2018

Bosnien-Herzegowina

Einwohner: 3,5 Millionen

Sprachen: Bosnisch, Kroatisch, Serbisch

Typische Namen: Slavica, Gordana, Miloš, Dragan

Und Lebensbaum? bezieht von hier Bärlauch, Löwenzahn und Wacholderbeere

Bosnien-Herzegowina Lebensbaum Weltreise

Nach unserem Ausflug ins tropische Südamerika zieht es uns in klimatisch gemäßigtere Gefilde. Es geht nach Bosnien-Herzegowina – Schmelztiegel der Kulturen und Religionen des Westbalkans. Das 51.197 km² große Land ist bekannt für seine bewegte Geschichte und vielfältige Flora und Fauna. Die Dichten des Dinarischen Gebirges bieten vielen im Rest Europas ausgestorbenen Tieren und Pflanzen eine Heimat. In diese letzten Urwälder Europas begeben wir uns auf der Suche nach unserem aromatischen Bärlauch.

Die 1.600 km von Diepholz nach Bosnien meistern wir mit dem Zug. Erste Station ist München, dort nehmen wir die Nachtverbindung über Villach und Zagreb nach Bosnien. Nach sage und schreibe 15 Stunden kommen wir endlich in Sarajevo an. Uns erwartet ein frischer Morgen und wir können es kaum erwarten, uns endlich wieder die Beine zu vertreten. Mit 300.000 Einwohnern ist Sarajevo überschaubar, vieles ist bequem zu Fuß zu erreichen. Unser Spaziergang führt uns in die orientalische Altstadt Baš aršija – ein Relikt aus der Zeit, als Bosnien Provinz des Osmanischen Reichs war. In einem der bunten Kaffeehäuser lassen wir uns von einem starken Mokka die Reisemüdigkeit aus den Knochen ziehen. Dieser gehört zur bosnischen Lebensart einfach dazu. So erklärt sich, dass die Bosnier mit 6,2 Kilo pro Kopf den zehnthöchsten Kaffeeverbrauch weltweit haben.

Am Nachmittag geht es in die Wildnis: ab zur Bärlauch-Wildsammlung! Unser Gastgeber, Rijad, fährt mit uns in das Sammelgebiet nahe der Stadt Hadži i, 20 km südwestlich von Sarajevo. Auf unbefestigten Straßen rumpeln wir im Jeep Richtung grüne Berghänge. Dort angekommen, erwarten uns – inmitten der dichten Eichen- und Buchenwälder – große, duftende Teppiche des Wildgemüses. Die Ernte beginnt zunächst in den tieferen Ebenen. Noch wächst der Bärlauch zurückhaltend, doch schon bald werden die Pflücker hier aus dem Vollen schöpfen können. Bis Ende Mai arbeiten sie sich dann die Berghänge auf bis zu 1.900 Meter hoch.

Rijad erzählt, dass ein Pflücker pro Tag 70 Kilo Bärlauch sammelt. Sobald die Säcke voll sind, geht’s ab ins Tal, in die 2.000 m² große Verarbeitungshalle. Dort geht es dem Kraut an den Kragen: Hier wird mit Argusaugen sortiert und gezupft. Danach wird der Bärlauch rund 24 Stunden bei 70 Grad im Ofen getrocknet. Dann macht er sich gut verpackt auf den Weg Richtung Diepholz. Hier angekommen, wird er zunächst im Nachbarort geschnitten, dann wird er bei uns in grün-gelbe Tütchen verpackt – bereit, als Gewürz die Frühjahrsküche rund um Dips, Salate und Pesto zu verfeinern. Nach unserem Bergausflug geht es zurück in die Hauptstadt – wir sind bereit für eine kleine Entdeckungstour. Wie lernt man ein Land am besten kennen? Durch den Magen! Schnell wird klar: In Bosnien hat man als Vegetarier ein hartes Los. Fleisch in jeglicher Variation gehört zur bosnischen Küche wie die Butter aufs Brot. Unangefochtenes Nationalgericht sind evap i i – ohne den herzhaften Geruch der gegrillten Hackfleischröllchen sind die Gassen Sarajevos kaum vorstellbar. Wir entscheiden uns für eines der typischen Grillhäuser. In diesen Aš inicas wird auf offenen Kohlegrills gebrutzelt – Live-Cooking auf Bosnisch eben! Auf unseren Tellern landen gegrillte Lammfleischspieße (Jagnje e pe enje) und mit Hackfleisch gefüllte Zwiebeln und Paprikaschoten (Sogan dolma).

Zugegeben, bosnisches Essen ist nicht besonders arterienfreundlich. Zum Glück gibt es Bärlauch, er fördert die Verdauung und wirkt sich positiv auf den Cholesterinspiegel aus, erklärt man uns. Also folgen wir dem Beispiel unserer wissenden Tischnachbarn und gönnen uns eine Handvoll frischen Bärlauch.

Schweren Herzens trennen wir uns von unseren herzlichen Gastgebern. Die Bevölkerung Bosniens hatte es in den letzten 25 Jahren alles andere als leicht, doch von den Tumulten der Vergangenheit ist kaum noch etwas zu spüren. Im Gegenteil: Die Lebensfreude der Menschen begleitete uns auf Schritt und Tritt.

Weiter geht es für uns ins Baltikum, nach Lettland – in das grüne Land an der Ostsee. Dort suchen wir die wohl älteste und beliebteste Kulturpflanze, die in keiner gut sortierten Hausapotheke fehlen darf: Kamille.

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