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1. März 2016

Burkina Faso

Einwohner: 17 Millionen

Sprache: Französisch, Moore, Dioula, Fulfulde

Typische Namen: Abdoulaye, Aminata, Fatim, Sayouba

Und Lebensbaum? bekommt von hier Hibiskus und Zitronengras

Lizard Rock

Fast drei Tage Flugreise stecken uns in den Knochen, als uns die trockene Wärme der afrikanischen Sonne in Empfang nimmt. Wir sind in Ouaga­dougou, der Hauptstadt von Burkina Faso. Auf der staubigen Straße vorm Flughafen knattern Mopeds heran und halten direkt vor uns. Es ist un­ser Partner Sangoulé, der uns mit ein paar Kollegen abholen möchte. Nachdem wir unsere Koffer in den be­reitstehenden Lieferwagen geräumt ha­ben, der sie ins Hotel bringen soll, ver­teilen wir uns als Beifahrer auf die Mo­peds und knattern weiter in die Stadt. Vor dem Markt halten wir an. Sofort sind wir mitten im geschäftigen Treiben. Ver­käufer, bis über die Ohren mit Ware be­laden, bieten uns Schuhe und Kleidung an. Frauen tragen große Teller mit Obst und Gemüse auf ihren Köpfen. Es gibt Stände mit Zwiebeln, Knoblauch, Toma­ten, Erdnüssen, Raupen … Raupen?! Tat­sächlich! In dem Kessel über einem Feu­er werden riesige Raupen gegart. Am da­zugehörigen Verkaufsstand spickt eine junge Frau ein Baguette mit ein paar dieser knusprig gebratenen Insekten­larven, gibt Zwiebeln und Gewürze da­rüber und voilà: Fertig ist das protein­reiche Street Food à la Ouagadougou. In der Regel sind wir ja recht offen, was neue kulinarische Erlebnisse auf un­seren Reisen angeht, aber hier zögern wir dann doch. Sangoulé klärt uns auf: Es sind Shitu­mu. Bei der westafrikanischen Spezi­alität handelt es sich um Karité-Rau­pen, die hier zu hunderten in den Ka­rité-Bäumen – das sind die Bäume, aus deren Fruchtkernen Sheabutter gemacht wird – leben. Die Raupen sind eine vom Slow-Food-Verband anerkannte Speziali­tät. Na gut. Nicht lang fackeln. Reinbei­ßen. Kauen. Kauen. Hm … irgendwie … fischig? Aber nicht schlecht. Unser Lieb­lingsessen wird es vermutlich dennoch nicht werden. Darauf gönnen wir uns ein Chapalo, ein traditionell gebrautes Hirsebier. Etwas warm, etwas sauer, aber irgendwie erfrischend!

Am nächsten Morgen machen wir uns mit dem Jeep auf die weite Reise durch das westafrikanische Land, gen Westen, nach Bobo-Dioulasso. Die Szenerie än­dert sich. Eine unbefestigte Straße führt uns durch das rötlich-braun leuchtende Land. Die karge Lehmlandschaft wech­selt sich ab mit grünen Gegenden in Flussnähe. Trotz anhaltender Landflucht wohnen fast 80 Prozent der Bevölkerung außerhalb der Städte, meist in Lehmhäu­sern, und leben vom Ackerbau. Während eines Zwischenstopps wird uns Bissap gereicht. Bissap ist, einfach gesagt, Hibiskustee – wir kommen un­serem Reiseziel kulinarisch schon näher. Gesüßt und hier und da noch mit Min­ze oder Vanille verfeinert ist er ein klas­sisch afrikanisches Erfrischungsgetränk. Eine Wohltat in der staubigen Luft. Bis zur Regenzeit dauert es wohl noch ein Weilchen. Dafür kommen wir rechtzei­tig zur Hibiskusernte!

Sangoulé nimmt uns mit zu den Klein­bauern, die ihn beliefern. Wir kommen an ein Feld mit hüfthohen Pflanzen. Die tiefroten Blütenkelche der Afrikanischen Malven werden von Hand abgepflückt, vor Ort getrocknet und zerkleinert, be­vor sie zu uns nach Diepholz geschickt werden. Aber noch eine zweite Teezutat bekom­men wir von hier, mindestens genauso erfrischend wie Hibiskus: Zitronengras! Wir fahren ein Stückchen weiter in eine Gegend, in der es noch ein bisschen grü­ner ist. Vor uns tauchen lange Reihen mit buschig wachsendem, kniehohem Gras auf, Zitronengras. Alle sechs Wo­chen können die Bauern das Gras bü­schelweise nah am Boden abschneiden, erklärt uns Sangoulé. Es wächst stetig nach. Die Abnahme der Ernte ist, wie beim Hibiskus, von unserem Part­ner gesichert. Von ihm werden auch die Trocknungsanlagen und Schneidemaschinen gestellt. Auch für die medizinische Versorgung der Kleinbauern ist gesorgt. So si­chert unser Partner das Einkommen von bis zu 2.000 Familien im Südwesten des Landes.

Eine Überraschung hat Sangoulé noch für uns: Er möchte uns die heiligen Flusspferde vom Téngrélasee zeigen. Nach der Fahrt zum See wechseln wir vom Jeep ins Boot und paddeln los. Während wir noch die vielen Vogel­arten und riesigen Seerosenblätter be­wundern, hat unsere Begleitung mit ge­schultem Blick an der Wasseroberfläche schon die Öhrchen eines Flusspferdes entdeckt – nur ein paar hundert Meter von unserem Boot entfernt. Und es ist nicht nur ein Öhrchenpaar, es sind sie­ben! Moment mal, waren Flusspferde nicht die gefährlichsten Tiere Afrikas? Sangoulé erklärt uns, dass hier die An­sicht verbreitet ist, dass von den Fluss­pferden keine Gefahr ausgeht, da sie hei­lig sind. Noch näher würde allerdings auch unser Bootsführer nicht heranfah­ren, denn die Tiere sollen nicht gestört werden. Damit sind wir einverstanden.

Zu unserem nächsten Ziel ist es von hier aus gar nicht weit: Wir reisen ins Nachbarland Ghana, in die Heimat unserer Orangen.

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