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1. Dezember 2015

Guatemala

Einwohner: 15,9 Millionen

Sprache: Spanisch, Xinca und Garífuna, daneben 22 Maya-Sprachen

Typische Namen: Ximena, Carlos, Miguel, Ana Lucia

Und Lebensbaum? bekommt von hier Kardamom und Piment

Im Gegensatz zu unseren letzten innereuropäischen Touren ist unsere Reise dieses Mal nicht auf ein paar Stunden im Schnellzug beschränkt. Zwischen Abschiedsschmerz und Vorfreude schwankend lassen wir nicht nur Ungarn, sondern auch den europäischen Kontinent hinter uns. Es geht nach Mittelamerika, ins Land der Maya. Wir begeben uns auf die Suche nach dem grünen Gold Guatemalas: dem Kardamom.

Guatemala ist ein recht kleines Land, nicht einmal ein Drittel der Fläche von Deutschland nimmt es ein. Um es zu durchqueren, das stellen wir schnell fest, muss man allerdings Zeit einplanen. Haben wir. Von Guatemala Stadt aus fahren wir mit dem Fernbus aus der turbulenten Stadtgegend raus, immer weiter ins Land hinein. Und werden dabei immer langsamer. Besonders schnell kommt man auf unbefestigten Straßen nun mal nicht voran. In Coban werden wir von José mit seinem alten Toyota Pick-Up eingesammelt, einem Kardamom-Bauern, der uns sein Land, seine Arbeit und seine aktuelle Ernte zeigen will. Hier und da hat die letzte Regenzeit seine Spuren auf der Fahrbahn und an den Brücken hinterlassen. „Die Unterteilung in Regen- und Trockenzeit hier ist neu“, erklärt uns José. Noch vor einigen Jahren hat es durchgehend geregnet, zumindest der chipi chipi (Nieselregen) fiel ununterbrochen. Die Trockenzeit in den Herbst- und Wintermonaten ist dem Abholzen des Regenwaldes geschuldet. Unser Ziel ist das Departemento Alta Verapaz, das nördliche der beiden „Verapazes“. Auch wenn wir schon eine Weile nicht mehr so weit weg von zuhause waren, ganz fremd sieht es hier eigentlich nicht aus. Tatsächlich ähnelt sowohl das Klima als auch die hügelige Landschaft Deutschland stark. Vermutlich einer  der Gründe, aus denen einst so viele Deutsche hierhin auswanderten.

In der Gegend um Coban, Hauptstadt von Alta Verapaz, befinden sich zahlreiche kleine Farmen. Auch José hat hier seine Kardamomfelder. Er ist einer von 25.000 Produzenten, unterteilt in 36 Kooperativen, die unter dem Dach der Organisation Fedecovera biologisch Rohwaren produzieren. Über die Struktur
von Fedecovera stehen den Bauern und ihren Familien unter anderem eine geregelte Abnahme ihrer Waren, medizinische Versorgung sowie fachliche Unterstützung bei der Pflege ihrer Felder zur Verfügung.

Im Wohnhaus lernen wir Josés Sohn Ernesto und seine Frau Maria kennen. Die Familie gehört zu den Q’eqchi, eine in dieser Gegend stark vertretene Maya-Ethnie. José erklärt uns, wie man sich auf Q´eqchi richtig begrüßt: Statt Wie geht’s dir? fragt man: ¿Ma sa la cho’ol?, wie geht es deinem Herzen? Die Antwort darauf? Sa Lin cho’ol, banyox, meinem Herzen geht es gut, danke. Eine ganz wundervolle Art, sich zu begegnen, finden wir.

„In Alta Verapaz machen Q’eqchi und Poqomchi einen Großteil der Bevölkerung aus, vor allem auf dem Land“, erklärt uns José. Im Gegensatz zu anderen Maya-Sprachen, die von der Amtssprache Spanisch längst ersetzt wurden, blieben Q`eqchi und Poqomchi relativ unberührt. „In anderen Teilen des Landes ist das nicht so. Hier gibt es sogar Radiosender, die statt Spanisch auf Q´eqchi senden.“

Josés Felder sind nur zu Fuß zu erreichen. Die Luft ist feucht und fast schon kühl. Plötzlich erklingt ein Laut, der uns stutzig macht. Winselt da ein junger Hund? Unser Begleiter deutet nach oben und zeigt uns, wer da so herzzerreißende Geräusche von sich gibt: ein leuchtend grüner Vogel mit scharlachroter Brust und langen Schwanzfedern. Ein Quetzal, Guatemalas Wappentier.

Wir sind an seinem Feld angekommen. Feld ist dabei ein dehnbarerer Begriff. Auf den ersten Blick sehen wir nur ein Gestrüpp aus teilweise mehrere Meter hohen Blätter. José lenkt unseren Blick zum Boden: dort kriechen lange grüne Triebe ganz unten aus den Pflanzen. An ihnen sitzen hübsche weiß-lila Blüten und grüne Kapselfrüchte. Das grüne Gold, Guatemalas wichtigstes Exportgut. Bevor die Kapseln ganz reif sind und die Samen verstreuen, werden sie geerntet und getrocknet. Wenn José mit dem Ernten fertig ist, kümmert sich die Kooperative um die Verarbeitung – und den Versand zu uns nach Diepholz.

Nach einem letzten Abendessen (Tortillas und Bohnen) mit Josés Familie machen wir uns reisefertig. Weihnachten und den Jahreswechsel werden wir auf unserer geliebten Finca Irlanda in Mexiko verbringen. Danach geht es nach Burkina Faso.

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