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1. Juni 2019

Italien

Einwohner: 60,76 Millionen

Sprachen: Italienisch (Amtssprache), regional auch Französisch, Deutsch, Ladinisch, Slowenisch

Typische Namen: Matteo, Giorgio, Giulia, Martina

Und Lebensbaum? Bekommt von hier Tomaten

EmiliaFür uns wird es Zeit, Tunesien den Rücken zu kehren und uns auf den Nachhausweg zu machen. Schließlich feiern wir in Diepholz 40 Jahre Lebensbaum. Der Weg führt uns durch Italien: Bella Italia, das klingt nach sonnenverwöhnten Landschaften, gutem Essen und Gelassenheit  — und nach Parma-Tomaten. Und genau denen werden wir einen kleinen Besuch abstatten. Denn ihr herrlich aromatisches Tomatenpulver sorgt in unseren Würzmischungen für Bolognese und Lasagne für original italienischen gusto.

Am Hafen von Tunis verabschieden wir uns und gehen an Bord der Fähre Richtung Genua. Wie gut, dass wir ordentlich Proviant gepackt haben, die Überfahrt durchs Tyrrhenische Meer dauert 23 Stunden, Zeit zum Schlafen und für ein gutes Buch. Gut ausgeruht kommen wir in Genua an und wechseln schnurstracks das Gefährt. Ab in den Bummelzug Richtung Parma, der uns ganz gemächlich von Ligurien in die Region Emilia Romagna bringt. Wir können uns kaum satt sehen an den bunten Obst- und Gemüsegärten der emilianischen Dörfer, den goldenen Weizenfelder und den sanften grünen Hügeln der Weinberge. Uns wird klar, warum man diese Region auch den „Bauch Italiens“ nennt: der fruchtbare Landstrich  zwischen Po und Apenninen ist das Epizentrum der italienischen Landwirtschaft. Tortellini, Lambrusco, Aceto Balsamico oder Parmigiano kommen von hier.

Am Bahnhof begrüßen uns sonnige 23 Grad und ein nicht weniger strahlender Stefano. Unser Freund ist gebürtiger Parmaer, kennt die Tomatenfelder der Region gut und wird uns auf den letzten Metern unseres Rohwarenbesuchs begleiten. „Rund um Parma wachsen die besten Tomaten Italiens. Das Schwemmland des Pos sorgt für ertragreiche Böden und genügend Regen fällt sogar in den heißesten Sommern. Aber das eigentliche Geheimnis unserer perfekten Tomaten ist il tempo. Pomodori da Parma bekommen Zeit zum Reifen“, verrät Stefano.

Das glauben wir ihm sofort. Auf unserem Streifzug durch die rubinroten Tomatenfelder umgibt uns der herrlich würzige Duft sonnengereifter Tomaten. Wir kommen gerade richtig, die Erntezeit ist im vollen Gange. Mit prüfendem Blick streifen die Tomatenpflücker durch die hüfthohen Staudenreihen. Welche Frucht noch ein bisschen tempo braucht und welche ihren vollen Geschmack bereits entwickelt hat, sehen sie sofort. Die Sammelkörbe füllen sich in Windeseile und die Zeit des Zeitlassens ist spätestens jetzt vorbei. Denn ist die Tomate erstmal vom Strauch, muss sie innerhalb von 24 Stunden weiter verarbeitet werden. Nur so enthält das Tomatenpulver am Ende auch das volle Aroma.

Wir folgen dem voll beladenen Tomatenlaster zur Verarbeitungshalle, die zum Glück nur wenige Kilometer entfernt ist. Hier zeigt uns Stefano den riesigen dreistöckigen Trocknungsturm, der die saftigen Tomaten in trockenes Pulver verwandelt. In einem ersten Verarbeitungsschritt werden die Tomaten zu einer Passata verarbeitet. Die wird oben in den Turm geleitet und verliert auf ihrem Weg nach unten — über einen mehrstufigen Dehydrierungsprozess —jegliche Feuchtigkeit. Was dann unten vom Fließband läuft, ist eine tiefrote, tomatige Geschmacksexplosion in Pulverform. Der intensive Geruch ist herrlich und lässt einem das Wasser im Mund zusammen laufen. Prompt meldet sich der Hunger. Im Bauch Italiens sollte das kein Problem sein.

Wir machen uns auf den Weg zu Stefano, wo ein dampfender Topf Tagliatelle al ragù bolognese auf uns wartet. Und was sollen wir sagen? Das ist Pasta nach allen Regeln der Kunst, mit echten Parma-Tomaten versteht sich. Molto buono! Während des Essens erzählt uns Stefano von der bewegten Geschichte der Tomate. Sie kam erst Ende des 15. Jahrhunderts mit den Konquistadoren von Mittelamerika nach Europa. Damals hatten die Früchte noch eine gelbe Farbe und deswegen tauften die Italiener die „Goldäpfel“ - pomo (lat. Apfel) d'oro.  Erste Rezepte mit Tomaten findet man — wie soll es auch anders sein — in italienischen Kochbüchern aus dem 16. Jahrhundert.

Pappsatt und hoch zufrieden schmieden wir Pläne für den nächsten Tag: Ab ins Tomatenmuseum in Collecchio, ein paar Kilometer südwestlich von Parma. Hier wurde ein altes Klostergebäude voll und ganz dem roten Kulturgut gewidmet. Und neues Wissen bringen wir immer gerne von unseren Reisen mit nach Hause. Das macht den Klönschnack am Jubiläumstisch umso schöner. Und auf den freuen wir uns!

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