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1. Oktober 2011

Kerala, Indien

Einwohner: 32 Mio.

Sprache: Tamil, Malayalam, Kannada, Telegu, Englisch, Hindi, …

Typische Namen: Aditiya, Chandu, Gulsan

Und Lebensbaum? Bekommt von hier u. a. weißen, grünen und schwarzen Pfeffer sowie Ingwer und Kurkuma.

Kerala

Ex oriente lux: Das Licht kommt aus dem Osten, heißt es in einem alten lateinischen Sprichwort. Das Licht soll unser Kompass sein. Wir haben die Türkei verlassen und ein Schiff Richtung Südindien bestiegen.

Nach zehn Tagen Wasser unterm Kiel erreichen wir frühmorgens die Küste Keralas. Erschöpft lassen wir uns in den kühlen Sand fallen. Leise schlagen die Wellen gegen die Rümpfe der halb an Land gezogenen Fischerboote. Hinter uns geht die Sonne auf und klettert durch das dichte Grün der Backwaters, einem mit dem Meer verbundenen, weit verzweigten Netz aus Lagunen, Seen und Kanälen. Mango, Papaya und Pfeffer wärmen sich in dem frühen Licht. Doch die Sonne steigt höher, bis der Morgendunst auch aus den entlegensten Tälern des bergigen Hinterlandes vertrieben ist. Von hier bekommt Lebensbaum Pfeffer, Ingwer und Kurkuma. Die Gewürze werden von Kleinbauern nach traditionellen Methoden angebaut. Das bedeutet geringere Erntemengen, aber die Qualität sucht ihresgleichen. Auch dank der Fülle dieser hochwertigen Zutaten gilt die Küche Keralas als legendär.

Gerne sind wir der Einladung des Gewürzbauern Ashok Kumar zum Essen gefolgt. Und während seine Frau Chameli in der engen Küche mit Tontöpfen und Gewürzen zu wirbeln beginnt, folgen wir Ashok in den Gewürzgarten. Vor einem Baum bleibt er stehen und zeigt auf Pfeffer, der am Stamm emporrankt. „Ich pflücke die Pfefferkörner von Hand, dafür muss ich hoch in die Bäume“, erklärt uns Ashok. Das nasse Hemd klebt an dem wendigen Körper des Gewürzbauern. Der Südwestmonsum hat seine letzten Regenschauer in die würzigen Hügel geschickt. Wir spazieren an dampfenden Komposthügeln vorbei, Kokospalmen breiten ihre schützenden Arme aus. Auf den ersten Blick wachsen Kardamom, Zimt und Kurkuma willkürlich über- und nebeneinander. Doch der Zufall hat hier einen Plan und der heißt Mischkultur. Für Kleinbauern wie Ashok Kumar bietet dieser Mischkulturenanbau viele Vorteile: Sein Land bleibt fruchtbar und er ist von den Nachfrage- und Preisschwankungen vereinzelter Produkte unabhängig. Dass er für Bioqualität gute Preise erzielt – umso besser. Ashok führt uns ins Haus zurück. Dort duftet es köstlich nach Gewürzen. Auf dem Tisch liegen große Bananenblätter, darauf verschiedene bunte Kleckse, Reis und dünne Teigfladen. Unsicher suchen wir den Tisch nach Besteck ab. Ashok nickt aufmunternd, als wollte er sagen: Traut euch, ihr seid in Kerala, hier wird mit den Händen gegessen.

Der erste Bissen Curry treibt uns den Schweiß auf die Stirn. Scharf. Aber gut. Und während uns Frau Kumars keralische Köstlichkeiten in die Geheimnisse der indischen Küche einführen, erzählt Ashok uns von seinem Land. Wir sprechen über die Menschen in Kerala und erfahren, dass seit Jahrhunderten Hindus, Muslime und Christen weitgehend friedlich miteinander leben. Unser Gastgeber vermutet, dass die Tradition des Gewürzhandels den Gedanken der Toleranz tief im Bewusstsein der Keraliten verankert hat. Ashok ist ein guter Erzähler und plötzlich ist es Nacht geworden. Ein schwacher Wind weht. Lächelnd steht der Gewürzbauer in der Haustür und verabschiedet uns mit den Worten: „Kollam kandal illam venda.“ – wer nach Kerala kommt, wird seine Heimat schnell hinter sich lassen. Recht hat er. Herbststürme, Kälte und Dunkelheit? Vielleicht, aber weit weg in Europa.

Wir müssen weiter in den Norden. Ca. 3000 km Reise liegen vor uns, bis wir an den Ausläufern des Himalaya Darjeeling erreichen. In den legendären Teegärten wird der feinste Schwarztee der Welt gepflückt. 

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