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10. September 2018

Kosovo

Einwohner: 1,7 Millionen

Sprachen: u. a. Albanisch und Serbisch

Typische Namen: Edona, Liridon, Luan, Arian, Mirlinda

Und Lebensbaum? Bekommt von hier z. B. Brennnesseln, Lindenblüten, Holunderblüten und Walnussblätter

Lebensbaum Weltreise Kosovo

Der östliche Teil Europas, mit seinen atemberaubenden Naturlandschaften, hat es uns angetan. Nachdem wir in Bulgarien die Kiefern nach ihren Sprossen abgesucht haben, begeben wir uns im Kosovo erneut auf die Suche: nach Urtica dioica – der Großen Brennnessel. Eine Suche, bei der lange Hosenbeine ratsam sind.

Wir fahren auf mehr oder weniger befestigten Straßen durch den Westen des Landes. Vereinzelt stehen Höfe, hier und da kleine Dörfer an den Hängen der bergigen Region, mitunter etwas baufällig. In vielen Teilen des Kosovo ist die wirtschaftliche Situation schwierig. Die Folgen des Krieges sind präsent, Arbeitsplätze spärlich gesät und oft schlecht bezahlt. Was der Kosovo allerdings zu bieten hat, sind großartige Landschaften, wilde Tiere und eine reichhaltige Pflanzenwelt. Letztere wiederum bietet für viele Familien die Lebensgrundlage. Nicht (nur) zur Selbstversorgung, sondern (auch) als Einnahmequelle. Dafür sorgt unser Partner Halit.

Über viele Jahrzehnte war die Tradition der Wildsammlung im Kosovo in Vergessenheit geraten. Nach dem Ende des Krieges ergriff Halit die Initiative, gründete ein Unternehmen und organisierte das Sammeln von Früchten, Blüten und Blättern im Kosovo neu. Heute ermöglicht er damit mehreren tausend Leuten ein gutes Einkommen.

Wie das funktioniert? „Mit System“, erklärt Halit. Übers Land verteilt gibt es inzwischen 57 Sammelstellen, die allesamt sein Unternehmen beliefern. Bei ihnen können die Sammler ihre „Beute“ abgeben und werden nach Art der Pflanze und Menge bezahlt – an jeder Sammelstelle einheitlich. Seit 2009 ist das Unternehmen biozertifiziert. Damit die Qualität stimmt, gibt es für alle Pflanzen vorgegebene Erntezeiten. Im Moment ist  Brennnesselsaison. Damit die Natur keinen Schaden nimmt, ist genau vorgegeben, wann, wo und wie viel gesammelt werden darf. Grundlage für die Vorgabe ist eine Art Pflanzeninventar, erstellt von der Universität in Priština, der kosovarischen Hauptstadt. Dafür wurde die Flora der einzelnen Regionen des Kosovo, von den Albanischen Alpen bis zur Šar Planina, genau untersucht.

Wir schnappen uns Handschuhe und Beutel und begleiten Aferdita einen Tag lang beim Sammeln. Die junge Frau sammelt seit zwei Jahren alles, was die Natur gerade hergibt: Hagebutten, Walnussblätter, Schlüsselblumen … Wie alle Wildsammler im Kosovo nimmt sie regelmäßig an Schulungen teil und hat zusätzlich ein handliches Buch dabei, in dem wichtige Informationen über die zu sammelnden Pflanzen stehen – auch, welche man nicht pflücken darf. Morgens um neun machen wir uns auf. Der Boden ist zum Glück trocken. Gut zum Brennnesselsammeln. „Manche Pflanzen sind da sehr empfindlich. Holunderblüten zum Beispiel. Wenn die nass sind, können sie nicht geerntet werden, da sie zu sehr an Qualität verlieren würden“, erklärt uns Aferdita.

Wir streifen durch die Wildnis. Mit viel Glück kann man hier sogar Luchsen begegnen. Für den Moment richten wir unsere Blicke aber auf den Boden: Brenn-nesseln! Wir zücken unsere Messer und schneiden die Pflanzen gut zehn Zentimeter über dem Boden ab – so erhalten wir möglichst viele Blätter. Es dauert nicht lange, bis unsere Beutel sich tüchtig füllen.

Gegen Abend machen wir uns auf den Weg zur nächsten Sammelstelle. Hier sind die Sammler mit einer Identifikationsnummer registriert, so dass die Ware stets rückverfolgbar ist – bis zu den Händen, die sie gesammelt haben. Die Sammelstelle gehört zu denen, die bereits aufgerüstet haben: Es gibt eine angeschlossene Trocknungsanlage, so dass die Brennnesseln  direkt vor Ort kontrolliert und getrocknet werden.

Von anderen Sammelstellen müssen die Blätter zur nächsten Trocknungsanlage transportiert werden. Zum systematischen Ausbau des „Wildsammelnetzes“ gehört für Halit auch, dass er seine Lieferanten darin unterstützt, eigene Anlagen zu bauen. Das schafft zusätzliche Arbeitsplätze.

Die viele frische Luft hat uns gut getan, jetzt freuen wir uns auf unser Bett und eine Mütze voll Schlaf. Bevor es uns wieder Richtung Westen zieht (Spanien wartet auf uns), gönnen wir uns noch einige Tage in der wunderschönen Wildnis – mit mehr Zeit und Muße, wilden Tieren aufzulauern.

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