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25. Mai 2020

Paraguay

Einwohner: 6,9 Millionen

Sprachen: Guaraní, Spanisch

Typische Namen: Graciela, María, Miguel, Ramón, Juan

Und Lebensbaum? Bekommt von hier Zitronenschalen

Paraguay Weltreise

Im Herzen Südamerikas – umgeben von Brasilien, Argentinien und Bolivien – liegt der Binnenstaat Paraguay. Der Río Paraguay durchfließt das knapp 407.000 Quadratkilometer  große Land von Norden nach Süden und teilt es in zwei Naturräume: im Westen eine trockene Savannen- und Buschlandschaft, das sogenannte Chaco. Und im Osten ein Tafel- und Bergland mit dichten Tropenwäldern und weiten Sumpflandschaften. Hier, im subtropischen Klima der Paraneña, fühlen sich Zitruspflanzen pudelwohl. Zum Beispiel Zitronen, deren getrocknete Schalen in vielen unserer Tees herrlich sauer-frische Noten verbreiten. 

Wir erreichen Tetã Paraguái, wie das Land auf Guaraní heißt, von Bolivien aus und durchqueren – auf einer reichlich holprigen, 13-stündigen Busfahrt – das Chaco. Die kleine Hacienda unseres An­baupartners liegt auf der anderen Seite des Río Paraguay, im immergrünen Os­ten des Landes. Hier ist es kühler als im glühend heißen Chaco, im Sommer herr­schen „nur“ 30 Grad. Dafür eine hohe Luftfeuchtigkeit. Ins Schwitzen kommt man schnell. Wie gut, dass Francisco, un­ser Gastgeber, nach unserer Ankunft di­rekt Kaltgetränke parat hat. „Gönnt euch erst einmal einen Schluck Tereré – mit Eiswasser aufgegossenen Mate. Unser Nationalgetränk und das beste Mittel ge­gen Hitze und Reisemüdigkeit.“ Der Te­reré verfehlt seine Wirkung nicht: Belebt und erfrischt machen wir uns an die Er­kundung von Franciscos Familienbetrieb.

In der Lagerhalle duftet es herrlich nach frischen Orangen, Limetten und Zitro­nen. Wir haben Glück, denn Francisco hat heute Morgen eine große Menge der gel­ben Früchte geerntet. Sie wachsen in sei­nen kleinen Zitrushainen, an bis zu fünf Meter hohen, immergrünen Bäumen. „Im Vergleich zu anderen Zitruspflan­zen sind Zitronenbäume schnellwüch­sig und tragen oft gleichzeitig Knospen, Blüten und Früchte. Frische Zitronen gibt es bei mir also das ganze Jahr“, erzählt er uns. Deswegen wird in seinen Hainen per Hand geerntet. Seine Mitarbeiter prüfen jede Frucht genau, nur die reifen Früchte landen im Sammelkorb. Die heranreifen­den Zitronen und die empfindlichen Blü­ten und Knospen bleiben bei der sorgfäl­tigen Ernte ungestört am Baum.

Nach der Ernte wird ein Teil der Früch­te direkt auf der Farm weiterverarbeitet. Geschickt schälen die Mitarbeiter die Zi­tronen per Hand. Dabei entstehen lange Spiralen. Sie werden zum Trocknen an Gestellen befestigt und in die Sonne ge­stellt – wie Wäsche an der Wäscheleine. Wenn die Feuchtigkeit entzogen ist, wer­den die Zitronenschalen gut verpackt und gehen auf die Reise nach Diepholz. Dort angekommen, treffen sie zum Beispiel im Früchtetee auf Apfel, Hibiskus und ihre alte Bekannte, die Orangenschale.

Prompt meldet sich der Hunger bei uns. Kein Wunder, denn Saures regt den Ap­petit an. Zum Glück ist im gemütlichen Haupthaus bereits der Tisch gedeckt. Es gibt Surubí, Tigerwels aus dem nahe ge­legenen Río, der in Zitronensaft – aus ei­gener Produktion, versteht sich – mari­niert wird, bevor er zu Tomaten, Zwie­beln, Knoblauch und Peperoni in die Pfanne kommt. Auf dem Tisch landet auch Sopa paraguaya, das Nationalge­richt Paraguays. Übersetzt heißt es para­guayische Suppe.

Allerdings ist die Sopa alles andere als flüssig – eher souffléar­tig. Francisco erklärt uns die verwirrende Namensgebung: „Der Legende nach ist dem Leibkoch des ehemaligen Präsidenten López das Lieb­lingsgericht seines Chefs – eine Suppe aus Maismehl, Käse, Zwiebeln und Milch – gehörig missglückt. Er hat­te zu viel Maismehl in den Topf gegeben, die Suppe wur­de dick. Beschämt servierte er sie dennoch. Der Präsident war begeistert und taufte das Gericht Sopa paraguaya.“

Die Suppe ist herzhaft und tatsächlich sehr stärkend. Das ist gut so, schließlich haben wir morgen einiges vor. Francis­co lädt uns ein, weitere Kleinbauern in der Region zu besuchen. „1973 gründe­ten wir eine Kooperative aus Kleinbau­ern, Weiterverarbeitern und Ladenbe­sitzern. Seither unterstützen wir uns gegenseitig beim Anbau, der Verarbei­tung und Vermarktung unserer Bio- Produkte. Mittlerweile sind wir 7.000 Mitglieder.“

 

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