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20. Juni 2019

Tunesien

Einwohner: 11,6 Millionen

Sprachen: Arabisch, Französisch, Tamazight

Typische Namen: Walid, Issam, Naoufel, Sofiane, Zohra

Und Lebensbaum? Bekommt von hier Dill

Tunesien

Wir verabschieden uns von Mada­gaskar und der betörenden Vanille. Wir nutzen den Rückweg nach Euro­pa für einen Zwischenstopp in Tunesi­en. Es geht zu unserem Kräuterexper­ten Leith. Er möchte uns die Dillernte zeigen.

Dill – aus Tunesien? Der wächst doch auch in heimischen Gefilden, denkt jetzt sicher der eine oder andere. Das stimmt. Und im eigenen Kräuterbeet macht das deutsche Wetter dem zarten Dill auch kaum Probleme. Will man ihn jedoch in großen Mengen anbauen und ernten, braucht es gerade für die Ernte stabil tro­ckenes Wetter: Dill – auch Gurkenkraut genannt – ist eine besonders feinkrauti­ge Pflanze. Das zarte Blattwerk klebt bei feuchtem Wetter sofort zusammen und verdirbt dann leicht.

Nach 16 Stunden Reise im Bus und im Flieger kommen wir in Tunis an. Wir konnten unterwegs zwar nur mittelgut schlafen, aber strahlender Sonnenschein und die angenehmen 18 Grad sorgen so­fort für gute Laune. Abgeholt werden wir von Leith selbst. Der junge Tunesi­er gründete 2013 ein kleines Start-up für Kräuteranbau. Mittlerweile bewirtschaf­tet er im Landesinneren 2.000 Hektar und beschäftigt an die 100 Mitarbeiter. Der Jungunternehmer geht neue Wege, er ist ökologischer Vorreiter in seinemLand. Ein Anbaupartner ganz nach un­serem Geschmack!

Doch bevor es zum Dill geht, fährt Leith mit uns in die Medina (Altstadt) von Tu­nis. Kaum ein historischer Stadtkern in der arabischen Welt ist so gut erhalten wie diese Medina und wir finden, sie ist völlig zu Recht UNESCO-Weltkulturer­be: Die labyrinthartigen Gässchen füh­ren vorbei an prachtvollen Palästen und Moscheen. Zwischendrin geht es lebhaft zu: Handwerker, Geschäfte und Stände befinden sich in dem Straßengewirr. Es dauert nicht lange, und wir sitzen vor ei­nem dampfenden Teller Marga Jilbana bil Djej – einem tunesischen Eintopf aus Kartoffeln, Erbsen, Paprika und Hühn­chen, der aus riesigen Tajinen geschöpft wird. Das ist jetzt genau das Richtige. Wir brauchen Energie, der Tag wird noch lang. Gut gestärkt steigen wir ins Auto.

Die kleine Stadt Bou Arada, 75 Kilome­ter südwestlich von Tunis, ist unser Ziel. Denn dort möchte uns Leith etwas zei­gen. Vorbei geht’s an wildem Rosmarin und Pinienwäldern. Und natürlich an Olivenbäumen. Die Region ist bekannt für ihre Chetoui-Oliven-Felder.

Hinter der nächsten Kurve leuchten uns blühende Mandelbäume sattrosa entge­gen. Und dann taucht ein kleines Fabrik­gebäude links am Rand der Straße auf. „Da halten wir an“, sagt Leith. Bei uns leichte Enttäuschung. Dillfelder wollen wir sehen. Fabrik haben wir selber zu­hause. Doch Leith meint es ernst und schon halten wir vor dem Gebäude. Man kann dem Tunesier seine Begeisterung vom Gesicht ablesen. Minuten später ste­hen wir in der Verarbeitungshalle vor ei­ner der modernsten Trocknungsanlagen: ein Gewirr von dicken Röhren, ausgestat­tet mit Hightech. Wir sind beeindruckt!

Dank der neuen Trocknungsanlage kön­nen 5.000 Tonnen Kräuter im Jahr verar­beitet werden. Viele Produktionsschritte wie Waschen, Sieben, Sichten passieren in einem Arbeitsgang. „Die frisch geern­teten Kräuter können wir hier rasch und schonend verarbeiten. Das Endprodukt behält so ein Maximum an Geschmack und Duft“, erzählt uns Leith und ergänzt: „Die physikalischen Dehydrationspara­meter werden über eine Feinsteuerung geregelt, um die höchstmögliche Men­ge an ätherischen Ölen und aktiven Mo­lekülen beizubehalten.“ Mit liebevollem Blick zeigt er auf einen Metallkasten, der einsam in der Ecke steht. „Das war unse­re erste Trocknungsanlage.“ Wegwerfen will er sie nicht. Erinnert sie doch an sei­ne ersten Schritte – eine Zeit mit großen Träumen, von denen sich bis heute viele erfüllt haben.

Aber jetzt geht es raus auf den Acker! Der liegt knapp zwei Stunden von der Verar­beitungshalle entfernt. Die klimatischen Bedingungen hier in Tunesien sind für den Kräuteranbau perfekt. Dill bevor­zugt ein vollsonniges Plätzchen, denn dort kann er viel ätherisches Öl aus­bilden. Das ganze Jahr über kann pro­duziert werden. Selbst dann, wenn in Deutschland tiefster Winter ist, kom­men herrlich frische Dillspitzen direkt vom Feld in die Trocknung und später in die Lebensbaum Tüte. Geerntet wird von Hand. Bei Dill am besten gegen Mit­tag, denn dann ist der Geschmack am in­tensivsten.

In Deutschland wird Dill überwiegend kulinarisch – in Gurkensalat, zwischen eingelegten Gurken und auf Fisch – ein­gesetzt. Doch auch als Heilpflanze ist er spätestens seit dem Mittelalter bekannt. Sein Name leitet sich wahrscheinlich vom altnordischen „dilla“ ab – beruhi­gen, beschwichtigen. Seine Samen wur­den, ähnlich wie heute Kümmel, Fenchel oder Anis, bei Kindern gegen Blähungen eingesetzt – bauchberuhigend eben.

Unser Bauch möchte auch beruhigt wer­den. Daher nehmen wir Leiths Einladung zu ihm nachhause gerne an. Es gibt Kar­toffeln mit Fisch. Und, wie kann es an­ders sein, Dill. Während wir nach dem Essen noch zusammensitzen und plau­dern, erzählen wir ihm und seiner Frau, dass wir als Nächstes nach Italien wol­len, Tomaten ansehen. „Ah, die berühm­ten italienischen Pomodori“, sagt Leith.

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