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23. Oktober 2018

Uckermark

Einwohner: 121.014

Sprache: Hochdeutsch, Brandenburg- Berlinerisch, Uckermärker Platt

Typische Namen: Doreen, Kathleen, Annett, Silke, Rico, Danilo, Maik, Silvio

Und Lebensbaum? bekommt von hier Fenchel

Lebensbaum Uckermark Weltreise

Voll Wanderlust machen wir uns auf den Weg von Lettland in die Uckermark. Ins Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin. Die Kulturlandschaft ist neben dem Great Barrier Reef, der Serengeti und dem Yellowstone-Nationalpark eine von 203 UNESCO-Weltnaturerbe-Stätten. Also eine Landschaft von außergewöhnlicher ästhetischer Bedeutung – ziemlich beeindruckend, oder? Definitiv eine Reise wert – nicht nur wegen des Fenchels!

Von Riga aus geht’s entspannt mit dem Bummelzug Richtung Polen. In Warschau gönnen wir uns eine kleine Verschnaufpause. In einem der größten unterirdischen Bahnhöfe Europas vertreten wir uns die Füße. Imposant, dieses unterirdische Labyrinth – doch frische Luft schnappen? Hier im Untergrund Fehlanzeige! Lieber schnell weiter, mit dem EC schnurstracks Richtung Berlin und von da mit dem Regional-Express Richtung Stralsund. Unser Ziel ist das beschauliche Wilmersdorf, ca. 90 km nordöstlich von Berlin. Auf dem Weg tuckern wir durch eines der größten Schutzgebiete Deutschlands. Und drücken uns die Nasen am Zugfenster platt. Was für ein Anblick – kein Wunder, dass diese fruchtbare Jungmoränenlandschaft Weltnaturerbe ist! Vorbei geht’s an unzähligen Seen und Kesselmooren. An den größten zusammenhängenden Buchenwäldern Mitteleuropas. Und an Eichenwäldern mit über 250 Jahre alten Bäumen. Es ist eine stille und dünnbesiedelte Landschaft. Durchatmen – das können wir hier gut!

Tina, unsere Gastgeberin vom Gut Wilmersdorf, holt uns vom Bahnhof ab. Nach zehnminütigem Fußmarsch kommen wir an. Und aus dem Staunen nicht mehr raus – schon wieder. In der Mitte der Hofanlage steht eines der ältesten Fachwerkhäuser Brandenburgs. Ein imposantes, denkmalgeschütztes Gutshaus aus dem Spätbarock. Nun wird es aber höchste Zeit, den Fenchel zu suchen – und das gestaltet sich ganz einfach: immer der Nase nach. Der unverkennbare Duft des Doldenblütlers verrät seinen Standort.

In Wilmersdorf wird die kompakte Sorte Berfana angebaut. Das Knollengemüse stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum. Fenchel mag es humos, sonnig und warm. All das findet er auf seinem Wilmersdorfer Acker. Der Fenchel wird im April mit der Getreidedrille in einem Reihenabstand von 50 cm ausgesät. Ab August sind die Fenchelfrüchte – im Volksmund auch Samen genannt – erntereif. Sie stecken in den goldgelb blühenden Dolden. Diese kommen nach der Ernte 48 Stunden lang in die Kräutertrocknung mit Rührwerk. Der Rührer sorgt für ausreichend Belüftung. Anschließend geht’s ab in die Siebanlage, wo die trockenen Früchte vorgereinigt werden. Danach wird alles gut verpackt in sogenannte Big Bags – 500 Kilo in einem Riesensack. Mehrere Säcke sind schon fertig und bereit, den Weg nach Diepholz anzutreten! Hier kommen die würzig duftenden Samen zum Beispiel in unseren Fenchel-Anis-Kümmel-Tee. Fenchel wird gerne bei Magen-Darm-Beschwerden eingesetzt. Deswegen darf er natürlich auch in unserem Baby-Bäuchleintee nicht fehlen. Doch Fenchel hat auch gehörig Würzkraft. Sein süßlicher Geschmack mit leichter Anisnote macht ihn zum perfekten Brotgewürz. Und als waschechter Südländer rundet er jedes mediterrane Fleisch- und Fischgericht ab. Also nicht nur Tee, auch Gewürz ist er. Vielseitig.

Mittlerweile schieben wir gehörig Kohldampf. Wahrscheinlich hat der ganze Fenchelduft schon mal unsere Mägen aufgeräumt. In der geräumigen Küche des Gutshauses ist aufgetischt. Natürlich gibt es Fenchel, diesmal als Knolle im Gemüsebett für den Hecht – frisch gefangen, versteht sich. Aus dem benachbarten Wolletzsee. Und als Beilage Nudeln. Doch weder Spaghetti noch Makkaroni wird aufgetischt. Wir sind schließlich nicht in Italien, sondern in der Uckermark, das weiß nicht nur der Fenchel! Und in der Uckermark heißen Kartoffeln eben Nudeln. Warum, weiß so recht niemand. Man munkelt, dass die Hugenotten, Einwanderer aus dem 17. Jahrhundert, schuld seien: Sie nannten den Erdapfel „Nouelle", klingt wie Nudel – macht also Sinn! Wie auch immer, es schmeckt hervorragend. Mediterrane Küche auf Uckermärkisch. Prädikat: gut zu schnabulieren!

Es ist Zeit, dass wir verduften. Wir folgen dem Fenchelgeruch nach Diepholz. Welten bummeln überlassen wir erstmal anderen. Wir freuen uns auf einen heimeligen Herbst im Moor, es muss ja auch mal wieder dringend entkusselt werden. Doch wir kennen uns und spätestens im Winter wird die Wanderlust uns wieder packen. Mal schauen, wohin die Reise dann geht!

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