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1. März 2014

Ägypten I

Einwohner: 80,72 Mio.

Sprachen: Modernes Hocharabisch, Ägyptisch-Arabisch, Nubisch, Siwi, Bedscha

Typische Namen: Anwar, Fawzia, Hossam, Nefret, Aziza

Und Lebensbaum? bezieht von hier Kamille, Basilikum, Koriander und vieles mehr in Demeter-Qualität

Ägypten

In acht Stunden vom einen Rand des Kontinents zum anderen: Wir star­ten in Kapstadt und landen in Kairo. Nachdem wir am Flughafen-Bank­schalter für 15 US-Dollar unsere Vi­sumsaufkleber für die Pässe gekauft haben, holt uns ein Fahrer ab. Unser Ziel: unser Lieferant Sekem, circa 50 Kilometer von Kairo entfernt. Will­kommen im Abenteuer Ägypten.

Schwungvoll knattern wir los – um kur­ze Zeit später im Feierabendverkehr von Kairo stecken zu bleiben. Stop-and-go auf einer sechsspurigen Straße. Unser Fah­rer lässt sich nicht beirren. Kurzerhand weicht er auf den Schotter neben der Fahrbahn aus, nimmt einen kleinen Um­weg quer über einen Acker und durch di­verse Hinterhöfe und schon sind wir wie­der auf der richtigen Strecke, ganz ohne Stau. Warum nicht.

1977 kämpfte sich hier ein VW-Bus durch die ägyptische Wüste. Drin saß Ibrahim Abouleish, auf dem Weg nach Hause. Von seinem 21 Jahre langen Aufenthalt in Ös­terreich hatte er nicht nur einen Doktor der Chemie, sondern auch seine Frau Gu­drun, Sohn Helmy und Tochter Mona mit­gebracht. Nicht zu vergessen seine Ver­bundenheit mit der europäischen Kultur sowie ein tiefes Verständnis der anthro­posophischen Lehren Rudolf Steiners. Ex­zellente Karriereaussichten in Österreich konnten Ibrahim Abouleish nicht davon abhalten, nach Ägypten zurückzukehren. Dort wollte er ein Unternehmen gründen, das den Menschen langfristig eine wirt­schaftliche, soziale und kulturelle Le­bensgrundlage bietet.

Was er mit seiner Vision geschaffen hat, ist beeindruckend: Sekem ist nicht nur ein hervorragender Lieferant für Kräuter und Gewürze in Demeter-Qualität, son­dern auch Arbeitgeber für über 2.000 Menschen aus der Region. Im ganzen Land hat Sekem fünf verschiedene Stand­orte. Aus 70 Hektar Wüste, die Ibrahim Abouleish 1977 kaufte, sind inzwischen 605 Hektar geworden. Und jeder einzel­ne wurde in fruchtbares Ackerland ver­wandelt. Zusätzliche 3.000 Hektar wer­den von 1.400 selbstständigen Bauern nach Sekem-Richtlinien bestellt.

In Bilbeis, auf der ursprünglichen Sekem- Farm, empfangen uns Ibrahim und Hel­ my Abouleish, der heute Geschäftsfüh­rer der Sekem-Gruppe ist. Gemeinsam spazieren wir über das Areal. In den Pal­men turnen grüne Halsbandsittiche und auf den Steinmauern sonnen sich klei­ne Geckos. Wir kommen rechtzeitig zur Ringelblumenernte. Orange Blüten, so­weit das Auge reicht.

Die Sekem-Farm beherbergt auch sozi­ale und kulturelle Einrichtungen. Dazu gehören ein Ärztezentrum, ein Waldorf-kindergarten und eine Waldorfschule, die auch den umliegenden Dörfern offenste­hen. Mittlerweile gehen Kinder in den Kindergarten, deren Mütter schon dort waren. Außerdem gibt es eine Schule für Behinderte, Künstlerateliers sowie ein großes Amphitheater. In der Nähe von Kairo kam vor kurzem eine eigene Uni­versität hinzu. „Unternehmertum, Bil­dung und Umweltschutz gehören zu­sammen, stärken sich gegenseitig“, ver­rät Ibrahim Abouleish seine Philosophie.

Unser erstes Abendessen in Ägypten ist das köstlichste Ei der Welt: Im Speisesaal serviert uns ein einheimischer Koch eine Art Frittata. Satt, glücklich und vol­ler Neugier verbringen wir die Nacht im Rundhaus, dem ältesten Haus der Farm. Hier hat alles angefangen.

Um ein Gefühl für das heutige Ägypten zu bekommen, fahren wir am nächsten Morgen nach Kairo zum Khan el-Khali­li. Der traditionelle Basar ist gezeichnet von den Turbulenzen des Landes: In den sonst vom regen Treiben beherrschten Gängen, in denen man früher vor Tou­ristenscharen kaum den Boden vor sei­nen Füßen sehen konnte, sind wir fast al­lein. Viele Läden mussten schließen. Die Verkäufer, die noch da sind, bedanken sich herzlich für unseren Besuch.

Während sich der Himmel über der Wüste violett färbt, machen wir uns auf den Weg zurück zu Sekem.

Es geht uns wie so vielen vor uns, die zu Besuch kamen und sich dann einfach nicht mehr von die­sem ungewöhnlichen Ort trennen konnten. Wir haben längst nicht alles gesehen und erlebt – also verschieben wir unsere Abreise. Das Abenteuer Sekem geht für uns weiter.

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